Archiv der Kategorie 'Urbanismus'

A tribute to BZA / Ware und Kunst

Manche Dinge sind erst ein paar Jahre vorbei, und dennoch fühlen sie sich so an, als habe der Lauf der Provinzgeschichte alle ihre Spuren beseitigt: Lokalitäten wie das Autonome Kulturzentrum oder das Fiasko gehören für mich zu solchen Dingen.

Und noch vor ein paar Jahren hatte Würzburg ein unfreiwilliges Markenzeichen, an das ich mich gerne erinnere, und die Polizei sich wahrscheinlich auch: Sowohl auf den separiertesten Vorstadtwohnblocks als auch am bürgerlichen Traum vom Eigenheim leuchtete ein Schriftzug, hell wie die Nacht: Die Graffiticrew B-Z-A dominierte mit einem einfachen Schriftzug und einem dazugehörigen Männlein den städtischen und suburbanen Raum auf eine Art und Weise, die man im Nachhinein nur als größenwahnsinnig betrachten kann. Noch heute finden sich auf der Homepage der Stadt Würzburg zum Stichwort B-Z-A die Worte, dass es sich hierbei um „eine nicht unbekannte Würzburger Sprayer-Bande“ handele. Irgendwann wurden sie wohl gebustet.

Graffiti und die öffentliche Debatte über seine Ästhetik sind die besten Beispiele dafür, dass die Warenförmigkeit jede Zelle menschlichen Schaffens durchdrungen hat. Nichts, außer die Existenz des Kapitalismus, gewährt, dass Straßentags als Vandalismus gelten, und Streetart als Kunst. Denn Streetart, die sich selbst als solche bezeichnet, hat den unbewussten Schritt schon getan, selbst als Kunst wahrgenommen werden zu wollen und den öffentlichen Raum in den Kategorien der bürgerlichen Ästhetik zu betrachten. Die bekannte Aussage „Streetart is not a crime!“ bezeichnet diesen selbstentwaffnenden Schritt, den Graffiti und Streetart in der Regel vollziehen. Ein Hundi hier, ein Blümelein dort, fertig ist das Streetart-Stadtbild, das auch die WochenendeinkäuferInnen aus Theilheim als bereichernd empfinden. Selbst, wenn sich Streetart-MalerInnen nicht mit ihrer Leidenschaft ihre Brötchen verdienen und ihre Streetart zu Kohle machen können: Sie kommen in der öffentlichen Diskussion nur derart gut weg, weil sie das gleiche verwelkte Empfinden von menschlicher Kreativität besitzen wie diejenigen, die den Markwert ihrer Stadt erhöhen möchten. Stadtbildkommissionen haben nichts anderes im Sinn. Dabei ist eine Dialektik von Verschönerung und Verschandelung schon immer in Graffiti angelegt: Noch das negativste Element einer Subkultur, der Schriftzug an der Wand als Aufbegehren gegen eine Welt, die so schreiend schön ist, dass sie eigentlich alle zum Kotzen finden, kann durch die Kombination von strafrechtlicher Verfolgung und sozialpädagogischen Graffitiworkshops in das umgewandelt werden, was man einen Beitrag für die Gesellschaft nennt. Und dadurch die Funktion von Kunst erfüllen, zu der sie der Kapitalismus verstümmelt hat.
Der Anfangskeim von Graffiti, vor Sozialpädagogik, Graffitikunstseminaren und Designer-Chique, war das Aufbegehren gegen das, was man Stadtbild nennt und sich gegen den Menschen selbst richtet. Graffiti, betrachtet als die Kunst der Zerstörung, kommt menschlichem Schaffen näher als jedes eingerahmte Piece eines Bansky.
In diesem Sinne, ein Hoch auf die große Kunst- ein hoch auf B-Z-A.

Simon Funk

P.S: Leider Gottes hat ein gewisser „Freund“ aus versehen einen großen Teil meiner Bilddateien gelöscht, daher auch keine Tags von BZA. Falls ich noch welche finde und sie noch nicht entfernt wurden, werde ich diese nachreichen.

Lexikon der Städtebeschimpfungen

Man muss ja zugeben, dass es nicht nur Würzburg verdient hat, mit pechschwarzem Hohn besudelt zu werden: Wer schon einmal in Freiburg, Rostock oder Hof war weiß mit Sicherheit, was ich meine. Unser alter Showpraktikant beim Letzten Hype, Karl von Medina, bittet uns, das folgende Buch weiterzuempfehlen: Lexikon der Städtebeschimpfungen.
Zu Würzburg wird Heinrich von Kleist zitiert, dessen Schmähschriften gegen Würzburg viel zu unbekannt sind: Kleist lebte im Jahre 1800 in Würzburg, zum Grund seines Aufenthaltes in Würzburg gibt es bisher lediglich Vermutungen.
Zu Würzburg schreibt Kleist:
„Nach Vergnügungen fragt man hier vergebens. […] Nirgends findet man hier ein Auge, das auf eine interessante Frage eine interessante Antwort verspräche. Auch hier erinnert das Läuten der Glocken unaufhörlich an die katholische Religion, wie das Geklirr der Ketten den Gefangenen an seine Sklaverei.“

In der Pilsstube oder: Die Stadt als undurchdringliche Ansammlung von Oberflächen (Teil 1)

Viele Menschen verlassen die Stadt mit einer gewissen Häme. Als hätten sie eine brenndende Lunte in ihr WG-Wohnzimmer geworfen und vor dem zuschlagen der Feuerschutztür noch „Macht’s gut ihr Trottel!“ gerufen. Am liebsten verlassen sie die Stadt, indem sie ironische Gänsefüßchen um das Wort „Stadt“ wickelt, wenn sie von Würzburg reden. Diese Leugnung der Verbindung von städtischer Lebensform und Würzburg ist ebenso richtig wie absolut falsch. Denn so korrekt es ist, die Verbindung der Begriffe „Stadt“ und „Würzburg“ mit Vorsicht zu genießen, so falsch ist die Annahme, man lebe hier in einem Dorf. Menschen, die in Häuseransammlungen aufwuchsen, die sich wie Stalldorf oder Gaurettersheim anhören, werden dies nicht leugnen können.
Was ist also die Stadt? Ein Rätsel. Weil niemand vollständig verstehen wird, wie sie funktioniert, wie sie strukturiert ist. Wir könnten die kommunalen Verwaltungsorgane und ihre Sub- wie Objekte untersuchen, und dennoch werden wir nichts darüber erfahren, in welchem Zusammenhang das subproletarische Milieu und das akademische stehen. Wir können uns geographisch der Strukturierung einer Stadt annähern, und dennoch erfahren wir absolut gar nichts über die Frage, wie die Stadtteilumgebung sich auf die psychische Verfasstheit ihrer Bewohner auswirkt. Ich bin deshalb dazu übergegangen, den Grad der Urbanität am Grad der Verrätselung zu beurteilen. Verrätselung meint für mich: Die Oberflächen, die für uns sichtbar sind, ohne andere, darüber oder darunten liegende Oberflächen sehen zu können. In Stalldorf, um wieder zu unserem Ausgangspunkt zurückzukehren, wird es uns ganz sicher auffallen, wenn ein Lebensmittelladen seine Pforten schließt. Falls uns dies nicht auffallen sollte, ist dies eher einer intendierten Ignoranz geschuldet, statt der Zugehörigkeit zu einem Milieu, dass uns lediglich eine milieuabhängige Oberfläche von Stalldorf sehen lässt. Anders verhält es sich mit zunehmendem Verätselungsgrad in urbaneren Kommunen: Aufgrund der Masse an Sinneseindrücken nehmen wir größtenteils die Oberfläche von Stadt wahr, die wir aufgrund unserer Klassenlage auch sehen können: der Student sieht den Designerladen und die akademische Buchhandlung, die Mensa und den Denklerblock. Der alternde Postbeamte sieht vielleicht das Hutmachergeschäft, den Eisenwarenladen in der kleinen Gasse und das Damenkränzchencafé am Markt. Ich betrachte als Arbeitsdefinition die Stadt als eine Ansammlung von Oberflächen, die übereinander angeordnet sind. Unser Blick auf Stadt ist geprägt von einer bestimmten, milieubedingten Sichtweise auf Stadt. Was die Oberflächen bildet, zusammenhält, was sie zueinander strukturiert, stellt sich uns in gewisser Weise als Rätsel dar, ist aber einzig und alleine die tote Arbeit, die uns vergesellschaftet. Die psychogeophraphische Methode ist ein Versuch, einen Blick auf die verschiedenen Oberflächen und ihr Verhältnis zu erhalten.
Und so haben viele Menschen laut lachend die Stadt verlassen, weil sie ihnen zu klein, zu spießig, zu provinziell war, ohne dass sie jemals den Versuch unternommen hätten, den Blick auf eine andere Oberfläche zu richten.

(Teil 2: Die Zellerau als Rätsel)

Ein phänomenologisch-geographischer Versuch über Würzburg mit psychologischen und gynäkologischen Komplikationen

Es ist nicht immer von Bedeutung, wie mensch sich mit solchen Gedanken ansteckt. Nur manchmal ist es nützlich, sich während der teilnehmenden Beobachtung zu vergewissern, wo mensch steht und wie mensch hingekommen ist. Wie ein gewisser Alexej Zvetkow, einer der neu-linken Gurus der post-sowjetischen Epoche, vor langer Zeit schrieb: Suche nicht das Guerilla Radio, es findet dich selbst. Früher oder später wird das schon geschehen, wenn du auf der „richtigen“ Welle bist. Wir wissen, die Welle ist eigentlich gar nicht richtig, sondern grudfalsch in dieser Welt, aber das ist gerade das Spannende an ihr. Und das Guerilla Radio hat vielleicht was mit Guerilla, aber nicht wirklich mit Radio zu tun, lassen wir das lieber undefiniert. Dieses Etwas wird aber im Folgenden weiter so bezeichnet.
Selbst diejenigen von uns, die eine glückliche sowjetische Kindheit führen konnten (bzw. mussten – wer wurde da schon gefragt?), d.h. nicht sehr weit hinter der Polarkreisgrenze in den sogenannten Kinderkombinaten eingesperrt, der zwischenmenschlichen Wärme systematisch entwöhnt und dazu von etwas, was sich als Schicksal ausgibt, verdonnert, für den Rest des so genannten Lebens jeden Frühling mickrige Kartoffeln in der lehmigen Erde zu verbuddeln, um sie im Herbst wieder (und in derselben Menge) auszugraben, wurden vom Guerilla Radio erreicht. Die einzige Gelegenheit für ein Kind, in der trostlosen Tundra ein wenig Farbe zu sehen, war die wunderbare Kinderzeitschrift namens „Wesjolyje Kartinki“. Eben für diesen Zweck auf Empfehlung vom höchsten Rat der Kinderärzte der UdSSR gegründet, erfüllte sie noch eine wichtige ideologische Aufgabe: sie sollte suggerieren, dass es irgendwo noch etwas außer der Tundra existiert bzw. schon sehr bald existieren wird. Genau da gelang es dem Guerilla Radio, von Zensurbehörden unbemerkt, das Ambivalente des Heillandversprechens auszunutzen, sich in die Spaltung einzuklinken und eine furchtbare Sabotageakt an der Kindererziehung durchzuführen. Der Saboteur, der in diese Geschichte leider als namenloser Zeichner eingehen wird, ließ ganz offiziell Abertausenden von kleinen grimmigen Menschleins ein Brettspiel als Sonderbeilage zukommen, wo er zwei Pioniere – Mascha und Sascha – auf einen psychogeographischen Trip durch Moskau schickte.

Zarte kindliche Gemüter entwickelten eine Persönlichkeitsspaltung, indem sie immer und immer wieder Mascha und Sascha durch ihre bunten Abenteuer auf dem Brettspiel begleiteten und sich in ihre Lage versetzten. Das massenhafte Auftreten von Kindern, die mit suspekt leuchtenden Augen durch die Gegend rannten, Selbstgespräche führten, die darauf bestanden, dass sie etwas komplett Anderes auf den Straßen sehen, und sich auf irgendwelche Mascha und Sascha als Zeugen beriefen, ist zwar von Kinderpsychologen dokumentiert, aber nicht erklärt worden. Das so genannte „Mascha-Sascha-Syndrom“ konnte nur durch das harte pädagogische Eingreifen fast vollständig verdrängt und beseitigt werden.
Einige Jahre später machte die Tundra der ganzen Welt vor, keine Tundra mehr zu sein; die Kinder wurden etwas größer, wurden aus den Kinderkombinaten in die grauen Schulen der Monostädten entlassen. Zum Ver- und Ausbuddeln von Kartoffeln kam eine kaum verblümte Abrichtung auf Fabrikarbeit hinzu. Indessen gestattete die Tundra in ihren kurzen liberalen Zuckungen so Einiges an literarischen Publikationen. So z.B. das Jahrzehnte zuvor im Ausland erschienene psychogeographische Alkopamphlet „Die Reise nach Petuschki“ von Wenedikt Jerofejew: http://www.petuschki.net/pmwiki/pmwiki.php?n=Main.Moskau-Petuschki# Weil „Die Reise“ erstmals 1973 in Israel erschien, haben wir allen Grund zu vermuten, dass diesmal die weltweite jüdische Verschwörung die Rolle des Guerilla Radios übernahm. Außerdem fanden Pamphleten von Guy Debord und Fredy Perlman Verbreitung, die wir hier wohl nicht vorzustellen brauchen. Tut jetzt wohl nichts zur Sache. Das Resultat war wichtiger: die durch „Wesjolye Kartinki“ verdorbene Jugend fühlte sich sicherer im Umgang mit alkoholischen Getränken und schlich umso tatenfreudiger zwischen Betonklötzen der Monostädte. Außerdem wurde deutlich, dass die Jugendlichen in anderen Städten ähnlich fühlten, sie beschrieben ihre Erfahrungen mit Betonklötzen woanders in ihren Punk-Zines. Es war so neu, so spannend, so gefährlich, diese Flaschenpost in den Händen zu halten…
Was in den Jahren danach geschah, war zwar dramatisch, aber auch banal genug, um es wegzulassen. Die wichtigsten Beteiligten sind praktisch dieselben geblieben: das erwachsene Kind, die seltsamen Stimmen im Kopf und das Saufen. Die Dekorationen sind nur etwas putziger, das muss mensch schon zugeben, aber – wie dank K.L. Reinholdt allgemein bekannt sein sollte – alle Erfahrung steht unter der Bedingung, eine Tatsache des Bewusstseins zu sein… Ob es Zvetkow, der anscheinend in der besten Manier der „Neuen Linken“ in der Redaktion eines Hochglanzmagazins gelandet ist, heute besser geht? Hoffen wir es für ihn und tun wir, was wir nicht lassen können: eidologisch den Stadtplan von Würzburg sezieren.
Lassen wir einen Stadtplan von Würzburg (am Besten doch einen mit 1:100000 Auflösung) auf uns wirken. Der Main, der auf mehr oder weniger gerade von Süd-Ost nach West-Nord fließt, teilt die Stadt entzwei. Auf beiden Seiten Hügel oder Erhöhungen, auch wenn die Erhöhung auf der Innenstadt-Seite etwas weiter vom Main ansetzt. Noch ein Hügel im Norden, von Weinstöcken bedeckt. Das innere Auge sieht sofort diese zierlichen, sich kräuselnden Pflanzen. Bismarckwäldchen, Straubmühle und Versbach auf der einen, Zellerau und Oberzell auf der anderen Seite bilden gewissermaßen die obere, etwas breitere Grenze des Stadtbildes. Beachten wir auch ein ziemlich dichtes Netz von wichtigen Transportwegen um die Stadt – Autobahnen, Bundesstraßen, Eisenbahnen – Blutgefäßknoten, die unabdingbar für das Leben der Stadt sind.
Es lässt sich nicht mehr hinauszögern, von böser Ahnung erfüllt müssen wir endlich das aussprechen, was von allen, die die Stadt von innen gut genug kennen: das Ganze sieht den äußeren Genitalorganen einer Frau verdammt ähnlich aus. Der Schamhügel von Bismarckwäldchen, der nasse Schlitz des Mains. Ja, meine Damen und Herren, es bedarf vielleicht einer regen Phantasie oder eines gewissen Abstraktionsvermögens, aber dank der eidetischen Reduktion ist es endlich begrifflich fassbar: WÜRZBURG IST EINE VAGINA.
Dass der Stadtplan uns die Vulva nicht als ein gerades und sofort erkennbares Bild präsentiert, soll uns nicht länger irritieren. „Der perfekte Liebhaber. Sextechniken, die sie verrückt machen“ von Lou Paget, im Club Bertelsmann 2001 erschienen, belehrt uns, dass es völlig in Ordnung ist, dass die so genannte Norm in diesem Fall sehr breit gefasst ist.
Die schockierende Erkenntnis und vor allem unsere Vorgehensweise lassen aber eine ganze Reihe von Fragen offen. Zum Beispiel, ob Heuchelhof, Rottenbauer und Randesaker zum Bild gehören? Wo soll mensch in dieser Stadt z.B. die Klitoris vermuten? Welche Rolle spielt die Festung? Für was stehen die Brücken? Aber das bis jetzt unklare Lebensgefühl der BewohnerInnen der Stadt beschreibt die Theorie m.E. treffend, also bleibt es die Aufgabe der kommenden Generationen, die Thesen der Theorie zu verifizieren.
Die Weichen für die kommende phänomenologisch-geographische (und zumindest Phänomenologie hat in Würzburg eine Tradition) Erforschung des Stadtbildes, die wir vielleicht Würzburger Vulvologie nennen sollten, könnten wir jetzt schon stellen. Um es mit einem äußerst interessanten Raumforscher der Vergangenheit, Georg Simmel, der immer noch was für und parat hat, zu sagen: „Was bedeutet dieses unendliche Gefäß um uns herum, in dem wir als verlorne Pünktchen schwimmen und das wir doch samt seinem Inhalt vorstellen, das also ebenso in uns ist, wie wir in ihm sind?“ (G. Simmel: Kant. Sechzehn Vorlesungen gehalten an der Berliner Universität, 1905)
Was heißt es eigentlich, in der Vagina zu leben? Die katholische Beschaulichkeit, die um sich greifende Langeweile, Passivität der BewohnerInnen, ihre Anfälligkeit für jegliches reaktionäres Gedankengut, ihre infantile Staatsgläubigkeit bilden gerade das Gegenteil von erwarteter sexueller Entspannung oder einer besonderen Kreativität. Sie umreißen viel mehr ein tiefes psychologisches Problem: die Abschottung von der Außenwelt im dunklen Schoß der Mutter, das Fehlen, ja, die Unmöglichkeit eines autonomen mündigen Individuums. Wenn das zutrifft, sind massenhaftes Ablegen der Individualität und Todestrieb in langer Sicht die Zukunft Würzburgs?
An dieser Stelle möchte ich daran erinnern, dass die gewonnenen Erkenntnisse nur vorläufig gelten, was der Unpräzisheit der Methode geschuldet ist. Sie stimmen wahrscheinlich nur für die Atmosphäre der Stadt, für die allgemeine geistige Tendenz. Denn die Symptome der Depression und Desorientiertheit mögen individuell feststellbar sein, aber die Kollektivitäten in Würzburg tendieren dazu, autoritär und sehr obrigkeitshörig zu sein. Also, wäre doch ein starkes Über-Ich zu vermuten. Wie verträgt sich aber ein starkes Es mit einem starken Über-Ich unter der Bedingung des Ablegens der Individualität? Diese Frage ebenso wie die oben genannten, genau wie die ehrenhafte Aufgabe die ganze Theorie zu bestätigen oder zu verwerfen, delegiere ich an die kommenden Generationen von ForscherInnen. Das Guerilla Radio wird sich schon welche aussuchen.

Krop Petrotkin