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Das Fest des Huhns: eine Empfehlung des Hauses

Das wesentliche Anliegen meiner journalistisch-psychogeopraphisch-gonzowissenschaftlichen Arbeit war und ist, den unterfränkischen Raum und seine faszinierenden Artefakte als mystisch, sperrig, als nur mit ethnologischen Untersuchungsmethoden aufschlüsselbare vormoderne Stammesgesellschaft zu begreifen und untersuchen. Wer auf der Lohrer Karfreitagsprozession oder der Wiesentheider Kirb war, wird die Anzahl an fremden Zeichen und Zeichensystemen für kaum überblickbar halten.

Ganz nach dieser Methode wurden Oberösterreich und seine Rituale vor Jahren ethnologisch untersucht und im Film „Das Fest des Huhns“ dargestellt. In der Hoffnung, dass wir eines Tages auch das Unterfränkische in einer großangelegten Untersuchung erforschen können, empfehle ich Ihnen im Folgenden das besagte ethnologische Meisterwerk:

Lexikon der Städtebeschimpfungen

Man muss ja zugeben, dass es nicht nur Würzburg verdient hat, mit pechschwarzem Hohn besudelt zu werden: Wer schon einmal in Freiburg, Rostock oder Hof war weiß mit Sicherheit, was ich meine. Unser alter Showpraktikant beim Letzten Hype, Karl von Medina, bittet uns, das folgende Buch weiterzuempfehlen: Lexikon der Städtebeschimpfungen.
Zu Würzburg wird Heinrich von Kleist zitiert, dessen Schmähschriften gegen Würzburg viel zu unbekannt sind: Kleist lebte im Jahre 1800 in Würzburg, zum Grund seines Aufenthaltes in Würzburg gibt es bisher lediglich Vermutungen.
Zu Würzburg schreibt Kleist:
„Nach Vergnügungen fragt man hier vergebens. […] Nirgends findet man hier ein Auge, das auf eine interessante Frage eine interessante Antwort verspräche. Auch hier erinnert das Läuten der Glocken unaufhörlich an die katholische Religion, wie das Geklirr der Ketten den Gefangenen an seine Sklaverei.“

„Und, ist Würzburg immer noch Scheiße?“: Eine Episode mit Fortsetzungspotential…

Hat mensch in Würzburg so lange verbracht, dass mensch von der erdrückenden Atmosphäre erfasst wird, scheint es, dass die Stadt von der Außenwelt abgeschnitten ist. Die große Welt weiß schon, dass es irgendwo Würzburg gibt, hält es aber für eine kleinere Großstadt unter vielen und verschwendet ansonsten scheinbar nicht viele Gedanken darüber. Es gibt in der Tat keinen rationalen Grund, das Geschehen in Würzburg von außen zu verfolgen. Aber angesichts der regelrechten Migrationsströme, die in die Stadt und aus ihr heraus führen, ist die Republik voll mit Menschen, die sich schaudernd an ihren Aufenthalt in der Vagina-Stadt erinnern. Diese Geschichten wollen wir dokumentieren, denn „da draußen“ leben noch Augenzeugen unserer Not.

Einmal verschlug es mich im Frühling 2009 nach Berlin. So was passiert eher selten, aber auf dem Programm stand der historische Tiefpunkt des bundesdeutschen Anarchismus und da musste mensch einfach dabei sein. An einem Abend kehrte ich, von meinen Begleitern verlassen und von Menschenmengen angeekelt, zu meinem Pennplatz – zur Regenbogenfabrik, einem kollektiv verwalteten Betrieb wohlgemerkt. Fest entschlossen, mich an dem Abend noch zuzuknallen, um die Schande des „anarchistischen Kongresses“ und meine eigene Fremdscham zu verdrängen, deckte ich mich im nächsten Späti (so eine Institution, die in Würzburg schon bitter Not tut) mit Bier ein und lies mich zum Nachgrübeln im Hof der Regenbogenfabrik nieder.

Die Frau, die an der Rezeption Spätschicht hatte, kam raus, um eine zu rauchen, und setzte sich zu mir. Der standardmäßige Austausch von nicht weniger standardmäßigen Repliken wurde jedoch bald interessanter: es handelte sich nämlich um eine Person, die noch in 70er Jahren (oder in den 80er? An eine lebhafte Punker-Community in Grombühl konnte sie sich jedenfalls noch erinnern.) ohne jede Reue aus Würzburg geflüchtet ist. Viel von unserem Gespräch will ich nicht berichten und ich könnte das eigentlich auch nicht mehr: es ist schon eine Weile her und beim Trinken war ich sehr fleißig. Aber merkwürdigerweise lassen sich Gespräche mit solchen flüchtigen Personen in einer einzigen Frage zusammenfassen – „Und, ist Würzburg immer noch Scheiße?“.

Danach noch ein Gang zum Späti, eine Nacht duchschlafen, eine lustige Putz-Aktion vorm Bethanien, noch 2-3 Stunden Zeit in einer sinnlosen Reflexionsgruppe totschlagen und los geht’s – nach Würzburg zurück.

Saarbrücken für Slacker

Saarbrücken für Slacker
Folge 1 von Hunter S. Heumanns Reiseberichten

Vergessen Sie Leipzig, vergessen Sie Dresden! Vergessen Sie all diese Bruchbuden, inklusive Magdeburg und Görlitz an der Neiße! Vergessen sie also all die ostdeutschen Städte, von denen ihre gescheiterten Akademikerfreunde erzählen, man könne sich dort für billiges Geld selbst verwirklichen!
Sie waren wohl noch nie in Saarbrücken, im west-westdeutschen Zonenrandgebiet. In der zukünftigen Trendstadt der Lebemenschen und Lumpenakademiker. Lassen Sie sich entführen ins Lyonerland.

Hinreise: Noch Gelinde ausgedrückt: Saarbrücken liegt nicht am Arsch der Welt, aber man kann ihn von dort aus ganz gut sehen. Daher ist die Reise auch kein Katzensprung. Vielleicht ist sie das dennoch, wenn man nicht in jeder größeren Stadt am Wegesrand ein Bierchen in der Bahnhofsschänke trinkt. Ich weiß es nicht. Auch auf Ex dauert dies viele Stunden. Reisen Sie daher am besten mit dem Auto oder lassen Sie, wenn Sie mit dem Zug unterwegs sind, die Idee, sich an schwäbisch-badischen Stammtischen entlang der Eisenbahnstrecke über Stuttgart 21 unterhalten zu wollen. Lassen Sie das wirklich!
Wie dem auch sei: Irgendwann sind Sie, nur mit zwei mal umsteigen und alles im Regionalverkehr, hoffentlich in Saarbrücken. Mit dem Auto war ich auch schon mal da, aber über Frankfurt-Bockenheim hat es noch länger gedauert. Es würde den Rahmen des Reiseberichtes sprengen, auch davon zu erzählen.

Sehenwürdigkeiten: Wer meine Reiseserie „Unterfrankens hässlichste Orte“ kennt, die oder der weiß, dass Abfuck und Ästhetik für mich eine Symbiose eingehen, die für andere schwer nachzuvollziehen ist. Daher bleibt München immer verabscheuungswürdig. Aber das ist eine andere Geschichte.
Die Saarbrückener Innenstadt besitzt einige sozial verödete Randbezirke, in denen sich Import-Export-Shops, Sportwettenlokale, Nacht- und Nacktbars aneinanderreihen. Irgendwo dazwischen wohnt der Freund, den ich besucht habe, in einer 16-köpfigen WG mit einem Klo und zwei Österreichern. Die vielen leerstehenden Geschäfte und Nettofilialen entfalten ein ostdeutsches Flair, das fast schon an Leipzig Connewitz erinnert und eigentlich jeden dazu einladen, sich selbst zu verwirklichen. Nicht verpassen dürfen Sie den Blick auf die wunderschöne Stadtautobahn, die direkt durch die Innenstadt an der Saar entlang führt. Tipp: Setzen Sie sich bei schönem Wetter an das gegenüberliegende Ufer der Saar. Vertreiben Sie sich die Zeit beim Zählen aller roten Autos, die innerhalb einer von Ihnen festgelegten Zeit auf der Autobahn vorbeifahren.

Land und Leute: Die Saarbrückener sind ein ehrliches aber widerspenstiges Völkchen. Gaststätten heißen „Kneipe zur Hoffnungslosigkeit“ (Bild siehe oben), aber auch „Zum kotzenden Kommunisten“. Man merkt: In Saarbrücken wird ihnen reiner Wein, Weißwein selbstverständlich, eingeschenkt. Der anarchische Charakterzug der Saarbrückener kommt dadurch zum Ausdruck, dass es mit Sicherheit kein Gesetz gibt, dass Spätis legitimiert, es aber dennoch Spätis gibt. Man hat ja in Saarbrücken eh nichts zu verlieren, dort drüben an der Saar. Diverse Getränkemärkte haben daher bis spät in die Nacht geöffnet.
Der Saardialekt klingt wie ein Schwabe, der einen Frosch verschluckt hat oder ein Bade, der versucht, einen Schwaben zu imitieren. Kurz gesagt: der Saardialekt klingt exakt wie Pfälzisch und ist auch exakt das Selbe.

Essen und Trinken: Saarbrücken wartet mit einigen kulinarischen Highlights auf. Das prominenteste ist wohl die Lyonerwurst, die von den Saarbrückener nahezu kultisch verehrt wird: Mehrere Straßenfeste widmen sich der berühmten Fleischwurst, die man auch „den Spargel der Saar“ nennt. An Palmsonntag wird beispielsweise eine riesige 8 Meter hohe Fleischwurst aus Alabaster durch die Innenstadt getragen. Auch das Maskottchen Saarbrückens, Fred Ferkel, ist einer solchen Brühwurst nachempfunden.
Der langen italienischen Tradition in Saarbrücken ist es zu verdanken, dass dort niemand Hunger leiden muss. Denn sowohl im Edelrestaurant als auch beim Schnellimbiss um die Ecke sind die spottbilligen Rigatoni mit Soße (siehe Bild) unverzichtbar. Rigatoni kosten als kleine Portion zwischen 1,50 und 2,50 und als große Portion zwischen 2,50 und 3,50 und bieten dabei ein wesentlich besseres Preis-Leistungsverhältnis als ein 08/15-Schnellimbiss. Rigatoni gibt es in den Geschmackssorten „Weiß“, „Rot“ und „Rot/Weiß“, ähnlich wie bei Pommes. Vermeiden Sie es bitte, mehr als drei Portionen Rigatoni am Tag zu verzehren. Bitte hören Sie auf diesen Ratschlag.
Die besten Rigatoni isst man übrigens im „Parkdeck“ (siehe Bild), Saarbrückens beliebtesten Schnellimbiss, der mit seinem rustikalen Ambiente zum verweilen einlädt.

Fazit: Saarbrücken bietet alle Vorteile, die man normalerweise nur im Osten genießt: Billige Mieten, zerfallende Häuser, zwielichtige Ecken und verlassene Straßenzüge.
Besuchen Sie Saarbrücken, bevor die Massen dort sind! Mieten Sie sich eine Wohnung, bevor es die Yuppies tun! Saarbrücken: der Boom kommt bestimmt!

Zur erbärmlichen Hygienesituation in Autonomen Zentren: eine Intervention

Autor: Sigismund von Dobschütz/ Fundort: Wikipedia, Creative Commons
(Bild: Wikipedia. Autor: Sigismund von Dobschütz, Creative Commons)

Man könnte ja meinen, der Punk hätte sich allen Themen gewidmet, die mit Exkrementen zutun haben.
Umso erstaunter bin ich, dass es bis jetzt kein Lied über das Kacken in Autonomen Zentren gibt (In etwa so: „Scheißen im AZ- fand ich nich so nett: Durchfall auf der Brille, Kotze in der Rille“).

Ich habe die sanitären Anlagen vieler AZs besucht. In der Flora kam mir der Urin schon beim Betreten der Toilette entgegen (wie praktisch, dass ich Löcher in meinen Schuhen hatte), in der Köpi glich die Kloschüssel einem Schokoladenbrunnen, im Zoro/Leipzig (ich weiß, ich weiß, kein AZ) habe ich mir beinahe in die Hose gemacht, weil ich keine Lust hatte, Blut von der Klobrille zu wischen. Selbst das AKW! in Würzburg, das sich ansonsten alle Mühe gab, mit den bösen Autonomen nix zutun zu haben, war ein fäkaler Freiraum für die Keime aller Welt.

Hiermit sei jede hinterletzte Punkkapelle, und komme sie nur irgendwo aus dem Spessart, aufgefordert, diesen Missstand anzuprangern und endlich einen Song aufzunehmen, der sich den hygienischen Mängeln in AZ-Klos widmet. Mein Reizdarm wird es Euch danken!