Archiv der Kategorie 'Fundstücke'

Von Anarchostalinisten und der Hipsterantifa

Wer wie wir viel im Internet herumstreunt, um sich zu versichern, dass anderen Menschen genauso langweilig ist wie einem selbst, hat die folgenden Seiten bestimmt bereits besucht. Dem Rest wünschen wir viel Freude bei der Zeitverschwendung:

:: Anarchostalinisten ::

Diese Seite der hiesigen Zelle der anarchostalinistischen Weltliga, die auf dem „Boden des kommunistischen, anarchistischen, leninistischen, bakuninistischen, freudschen, honeckerschen Erbes“ steht, möchte nicht nur „Antideutsche und Antispes“ ins Gulag stecken, sondern auch die „Fans der Vereine Hamburger SV und VfB Stuttgart“. Überleitend zum nächsten Link wundert es, dass die Hipster verschont bleiben.

:: Hipster Antifa Neukölln ::

Ernst gemeint ist hingegen das Anliegen der Hipster Antifa Neukölln, die sich gegen die Diskriminierung von Hipstern und Touris in Berlin wendet. Die Erfolgsgeschichte des moderne Antisuevismus wird anscheinend ununterbrochen fortgeschrieben. Welche Bevölkerungsgruppe nimmt für das Würzburger Schoppenbürgertum eigentlich die Rolle der Schwaben ein? Mit ähnlichen Ressentiments behaftet ist hier der Münchner, wobei man dann vom modernen Antimonac(um)ismus sprechen müsste. Das können wir uns aber nicht eingestehen, weil wir in der Vergangenheit nicht nur einmal die Parole Love music, hate Munich! propagierten.

:: was Altes ::

Wer etwas Älteres im Internetskurrilitätenkabinett lesen möchte, die/der kann sich gerne über diesen Versuch amüsieren, alle antideutschen Gruppen aufzuzählen und den Niedergang der Antideutschen empirisch zu beweisen. Besonders interessant ist dabei, dass Gruppen wie TOP B3erlin aufgezählt werden. Warum wurde damals der Letzte Hype nicht mitgezählt?
Fast ein wenig enttäuscht sind wir, dass die Homepage des Freundeskreis der Juche-Ideologie in der Kommunistischen Partei Deutschlands mittlerweile vom Netz gegangen ist.
Und immer noch warten wir auf eine Solidaritätsgruppe für Transnistrien, dem letzten verbliebenen realsozialistischen Staat auf europäischem Boden. Haha.

Was für eine Zeitverschwendung, diesen Blogeintrag zu lesen.

Würzburg und seine Denkmäler III

In diesem Hause wohnte von 1858-1864 Matthäus Friedrich Chemnitz, der Dichter des unvergänglichen Liedes: Schleswig-Holstein meerumschlungen. Er lebte von 1851-1864 als Sekretär der Maindampfschiffahrt und des polytechnischen Vereins in Würzburg. In Dankbarkeit die Stadt Würzburg 1938.

So steht’s geschrieben in der Maulhardgasse, hinter dem Kaufhof.

Wie man kürzlich nachlesen konnte, möchte Würzburgs Kulturreferent Muchtar Al Ghusain Würzburgs in Stein gehauene Opferkultstätten „in ihren Kontext stellen“, „den Diskurs suchen“. Ich zöge die diskursverweigernde Schlagkraft einer Abrissbirne vor.
Wie schwierig es jedoch wäre, überhaupt etwas von Würzburgs Artefakten zu verschonen, wenn man die Verehrung des nationalistischen Opfers aus der Welt schaffen wollte, verdeutlicht die Tafel zu Ehren des Herren Matthäus Friedrich Chemnitz: Schleswig-Holstein meerumschlungen ist genauso wie das Lied der Deutschen ein Kind der vormärz’schen Kriegsgeilheit mit ihrer antidänischen und vor allem antifranzösischen Stoßrichtung. Halten wir uns weiter an Herrn Al Ghusains Intention: In welchem Kontext würdigte die Stadt Würzburg 1938 Herrn Chemnitz? Würzburgs damaliger Oberbürgermeister Theo Memmel, der noch am 02. April 1945 verlauten ließ, dass man jeden erhänge, der für den Feind arbeite, hat die Tafel sicher nicht wegen Chemnitzs Verdiensten um die Mainschifffahrt anbringen lassen. Es handelt sich schlicht und einfach um ein noch heute gehegtes und gepflegtes Nazidenkmal.

Der Studentenstein, die Kriegerdenkmäler, all die Kultstätten der nationalen Huldigung, was bewirkt es, sie in ihren historischen Kontext zu stellen? Das Vergangene und das Gegenwärtige werden auf künstliche Weise entknotet. Vergangenes ist vergangen, obwohl es auch auf die Gegenwart ihre Schatten wirft, sein Geist weiter existiert.

Und die Geschichte des nationalen Opfers lebt weiter. Ausgerechnet auf der Homepage der Stadt Würzburg, ausgerechnet bezüglich des Herren Nazi-Oberbürgermeisters Theo Memmel. Unter der Rubrik Stadthistorische Streiflichter erfährt man: „Im Gegensatz zu Gauleiter Dr. Otto Hellmuth, der sich bereits vor der Entscheidung in Richtung Nürnberg abgesetzt hatte, blieb Oberbürgermeister Theo Memmel in Würzburg und kämpfte mit einem von drei Volkssturmstoßtrupps in der Randersackerer Straße aufopfernd aber sinnlos gegen die überlegenen Angreifer.“ Welch schön gezeichnetes Heldenepos! Gauleiter Dr. Otto Hellmuth, der feige Verräter, flüchtete sich nach Nürnberg, Herr Memmel aber, der scheiternde Held, setzte sich aufopferungsvoll für seine Stadt ein. Liest man diesen Text, verwundert es fast, dass man Herrn Memmel nicht posthum den Kulturpreis der Stadt Würzburg verliehen hat.

Die Verehrung des nationalen Opfers lebt weiter, auf der Homepage der Stadt Würzburg, bei jedem Volkstrauertag, bei jeder Kranzniederlegung des Intercorporativen Convents am Studentenstein. Denkmäler in ihren historischen Kontext zu stellen, solange der Mythos des Opfers für die Volksgemeinschaft Realität besitzt, bedeutet, die geistigen Abgründe der Gegenwart totzuschweigen.

Wahre Worte

Helmut Schmidt hat unlängst über Karl Theodor zu Guttenberg alles gesagt, was zu sagen ist.

Weisheiten von der Straße

„Was soll ich woanders, wenn’s mir daheim scho‘ ned g‘fälld?“

Unbekannter Mann an der Straßenbahnhaltestelle

Verschöööönerungsverein!

Hey, ihr Heimatschützer vom Würzburger Verschönerungsverein,

seid ihr nicht sonst damit beschäftigt, die Blumen an Denkmälern, an die sich zurecht niemand mehr erinnern kann, zu gießen? Seid ihr nicht sonst immer dafür, historische Bauten zu erhalten, damit Würzburg in euren Heizdeckenhirnen immer das gute alte Postkartenmotiv bleibt?

Wenn das immer noch zutrifft, weshalb protestiert ihr nicht dagegen, dass Würzburgs schönste Ruine den kulturlosen, zeitgeistaffinen Architekten zum Opfer fällt und jetzt ein Hotelturm wird? Habt ihr nicht schon all die Jahre versagt, da ihr zugelassen habt, dass vor mittlerweile sechs Jahren die historische Inschrift aus der Frühgotik von dieser Ruine entfernt wurde?

Was wird uns noch zugemutet? Eine Autobahn durch den Ringpark? Ein Weltraumhafen auf der Marienfestung?
Wehret den Anfängen!

Euer Hunter (entsetzt)

„Den Hydroschraubenschlüssel!“

An alle Fans von Sprüchen wie „Wenn das Universum ein helles Zentrum hat, ist Grombühl am weitesten davon entfernt“ und anderen alltagstauglichen Lebensweisheiten vom Krieg der Sterne:

Letzter Hype Retromania

Bedienungsanleitung:

Dies hier zwei Stunden vor ihrem Bewerbungsgespräch unbedingt in voller Lautstärke in ihrem Player laufen lassen. Alles wird gut!

Würzburg und seine Denkmäler II

Wir nehmen hier einen Gesprächsfaden wieder auf, den wir, inspiriert von Berthold Kremmler, damals im Letzten Hype begonnen haben.

Berthold Kremmler hat sich zum zweiter mal auf dem Zunderblog mit der Problematik des Gedenkens am Volkstrauertag, unter besonderer Berücksichtigung von Fried Heulers Beitrag, beschäftigt.

Erneut lesenswert!

Das Fest des Huhns: eine Empfehlung des Hauses

Das wesentliche Anliegen meiner journalistisch-psychogeopraphisch-gonzowissenschaftlichen Arbeit war und ist, den unterfränkischen Raum und seine faszinierenden Artefakte als mystisch, sperrig, als nur mit ethnologischen Untersuchungsmethoden aufschlüsselbare vormoderne Stammesgesellschaft zu begreifen und untersuchen. Wer auf der Lohrer Karfreitagsprozession oder der Wiesentheider Kirb war, wird die Anzahl an fremden Zeichen und Zeichensystemen für kaum überblickbar halten.

Ganz nach dieser Methode wurden Oberösterreich und seine Rituale vor Jahren ethnologisch untersucht und im Film „Das Fest des Huhns“ dargestellt. In der Hoffnung, dass wir eines Tages auch das Unterfränkische in einer großangelegten Untersuchung erforschen können, empfehle ich Ihnen im Folgenden das besagte ethnologische Meisterwerk:

Lexikon der Städtebeschimpfungen

Man muss ja zugeben, dass es nicht nur Würzburg verdient hat, mit pechschwarzem Hohn besudelt zu werden: Wer schon einmal in Freiburg, Rostock oder Hof war weiß mit Sicherheit, was ich meine. Unser alter Showpraktikant beim Letzten Hype, Karl von Medina, bittet uns, das folgende Buch weiterzuempfehlen: Lexikon der Städtebeschimpfungen.
Zu Würzburg wird Heinrich von Kleist zitiert, dessen Schmähschriften gegen Würzburg viel zu unbekannt sind: Kleist lebte im Jahre 1800 in Würzburg, zum Grund seines Aufenthaltes in Würzburg gibt es bisher lediglich Vermutungen.
Zu Würzburg schreibt Kleist:
„Nach Vergnügungen fragt man hier vergebens. […] Nirgends findet man hier ein Auge, das auf eine interessante Frage eine interessante Antwort verspräche. Auch hier erinnert das Läuten der Glocken unaufhörlich an die katholische Religion, wie das Geklirr der Ketten den Gefangenen an seine Sklaverei.“

Running Man for real.

Es ist interessant, wie sich die dystopischen Bilder der Vergangenheit in den Medien der Gegenwart widerspiegeln.
Filme wie „Running Man“ oder die Romanvorlage „Menschenjagd“ zeichnen das Bild einer Zukunft, die das Spektakuläre in seiner trivialsten Form- als Fernsehunterhaltung- voll und ganz als Mittel der Zähmung perfektioniert hat und selbst den Überlebenskampf eines Menschen noch als glitzerndes Showspektakel vermarkten kann.

Im Jahre 2011 ist es nicht die abwegigste Idee, eine Show zu produzieren, in der einige MigrantInnen, die gerade aus Westeuropa in ihre Heimatländer abgeschoben werden sollen, noch einen Koffer Geld gewinnen können, bevor man sie aus dem Land wirft. Das spektakuläre Bild einer Spielshow, und das in ihr zwangläufig enthaltene Gute-Laune-Feeling einer Unterhaltungssendung, verbrennt spielerisch leicht das Bewusstsein für den materiellen und lebensbedrohlichen Ernst der Lage, in dem sich die MigrantInnen befinden.
Jetzt kommt in Holland die Show „Weg van Nederland“ ins Fernsehen: Hier kämpfen sie tatsächlich um Geld, die abschiebebedrohten MigrantInnen, zumindest behauptet dies der Sender. Dadurch, dass nicht nur die KandidatInnen, sondern auch die ZuschauerInnen etwas gewinnen können (nämlich eine Reise in die Karibik), wird die Show letztendlichend zur Farce.

Klar ist, dass es sich bei „Weg van Nederland“ wahrscheinlich um eine nicht ganz ernst gemeinte Provokation des Senders handelt.
Die Frage aber, zu wieviel in der Vergangenheit ausgedachter Dystopie die reale Gegenwart fähig ist, wird das Fernsehen nicht zum letzten Mal aufwerfen.

Lieber Antitierbenutzungshof Kollnburg,

in freudiger Erwartung öffnete ich vor kurzer Zeit das Paket eines bekannten veganen Onlineversands und entdeckte darin nicht nur Sojabeefjerky, vegane Seitanknackwürste und kiloweise texturiertes Granulat, sondern auch Eure Werbebroschüre, die zur Unterstützung des Antitierbenutzungshofes aufrief.

Auf dem Antitierbenutzungshof leben derzeit insgesamt 41 nichtmenschliche Tiere…“ war darin zu lesen, und zwar deshalb, da Ihr „gegen jede Form des (Be)nutzens von Tieren“ seid.

Hiermit möchte ich mich gerne als Mitbewohner auf dem Antitierbenutzungshof bewerben.
Motivation: Als menschliches Tier werde auch ich täglich benutzt. Mein Chef beutet täglich meine menschlich-tierische Arbeitskraft aus, um einen Mehrwert abzuschöpfen. Meine Freunde nutzen mich aus und leihen sich ständig Kohle von mir, die sie nie wieder zurück zahlen. Sie stellen sogar Deckel in unserer Stammkneipe auf meinen Namen aus! Meine Verwandschaft benutzt meine übertragbare Monatskarte, um kostenfrei mit der Bahn zu fahren. Die ARGE hat mir vor einigen Jahren gesagt, ich solle mich für die Gesellschaft nützlich machen, das gleiche sagten meine Eltern. Beide drängten mich dazu, einen Job anzunehmen, den sie- nicht ich!! – für nützlich hielten.
Kurz gesagt: Ich fühle mich voll und ganz benutzt von der gesellschaftlichen Gesamtsscheiße. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das mein ganzes kurzes menschliches Tierleben so weitergehen soll.
Zu meiner Person: Ich bin zutraulich, habe einen Hängebauch, die Menschen nennen mich Hunter und meine Katze nennt mich „Brrrr- Miau“. Ich bin gerne in der freien Natur und faulenze gerne. Dennoch bin ich kein fauler Hund faules Menschentier, sondern hätte kein Problem damit, auch mal einen Stall auszumisten.

Ich bitte Euch mir mitzuteilen, wann Euer nächstes WG-Casting stattfindet und hoffe auf gute Chancen und ein Ende meines Benutztwerdens.

Euer
Hunter (Tierfreund)

Lieber Joachim Hermann,

lieber Inlandsgeheimdienst bayerischer Provenienz,
liebe Landeszentrale für politische Bildungsarbeit,

ihr habt es endlich geschafft. Mit Eurer neuen Seite namens „Bayern gegen Linksextremismus“ habt Ihr mich endlich in die Arme des Staates getrieben.
Auch ich unterstütze Eure Initiative gegen schlechte Rapgruppen wie „Kurzer Prozess“ aus vollem Herzen, auch wenn es mir recht egal ist, welche Texte die jungen Burschen denn sprechsingen. Ich unterstütze Eure HipHop-Qualitätsoffensive eher aus ästhetischen Gründen: „Kurzer Prozess“ hat einfach keinen Flow und die Beats sind sowas von unter aller Kanone, das kann sich kein Mensch anhören. Ich wundere mich, weshalb die erwähnten Aspekte bisher keine Erwähnung auf Eurer Homepage fanden.
Da mir der Kampf gegen hässliche Musik ebenso wie Euch am Herzen liegt, stehe ich in Zukunft, sozusagen als Inoffizieller Mitarbeiter, gerne zur Verfügung, um gegen grottigen Rap wie etwa „Holger Burner“ oder „Schlagzeiln“ vorzugehen.
Um zu beweisen, dass meine Kenntnis der Materie sich nicht nur auf Rapmusik beschränkt, gebe ich Euch noch einige andere wichtige Hinweise, die zur Stärkung der Demokratie beitragen werden:
1. Ihr merkt auf Eurer Heimseite an, dass das Café Marat in München benannt ist „in Anlehnung an Jean Paul Marat, einen radikalen Unterstützer der französischen Revolution und Befürworter politischer Gewalt“, was für Euch ein treffendes Argument ist, um den Münchner Kulturtreff zu diffamieren.
Eurer Argumentation folgend, habe ich noch einige andere Treffpunkt von Extremisten in Bayern entdeckt: Das Richard-Wagner-Gymnasium in Bayreuth beispielsweise ist benannt nach einem bekannten Antisemiten und Hassmusiker. Die Fangemeinde des besagten Hassmusikers veranstaltet jeden Jahr sogar eigene Festspiele, auf denen die antidemokratische „Message“ der extremistischen Musik verbreitet werden soll. In Würzburg benannte man in der Vergangenheit eine ganze Sporthalle nach dem Nationalsozialisten Carl Diem. Als die Presse diesen problematischen Namen thematisierte, benannte man das Areal kurzerhand- aus Tarnungsgründen- in S-Oliver-Arena um.
2. Die Gruppe „Anarchistische Umtriebe Augsburg“ findet auf Eurer innovativen Homepage u.a. deshalb Erwähnung, weil sie die Bundeswehr als „Nachfolgeorganisation der Wehrmacht diffamiert“. In diese „Diffamierung“, die selbtverständlich jeglicher Realität entbehrt, reiht sich auch die militante Gruppe „Gebirgsjägerbrigade 23“ ein, die das südliche Bayern mit Wehrsportübungen terrorisiert. Die erwähnten Gebirgsjäger treffen sich jedes Jahr in Mittenwald, um der gefallenen „Kameraden“, der- aufgepasst!- Wehrmacht, zu „gedenken“ und tragen damit zur besagten Diffamierung bei. Ich bin im Besitz zahlreicher weiterer Informationen über Menschen, die den völlig aus der Luft gegriffenen Zusammenhang zwischen Wehrmacht und Bundeswehr ohne jedes Schamgefühl propagieren.
Daher würde ich mich freuen, wenn ich mich in Zukunft als Inoffizieller Mitarbeiter für die bayerische Demokratie einsetzen dürfte.

Ihr antiextremistischer Liebesmusikant
Hunter S. Heumann

Reinhold Enzelberger alias Enzo

Kennergelernt habe ich Enzo an einem volltrunkenen Abend im AKW: Ein Hühne stand da vor mir, in einem weißen Gewand. Er sah aus wie der Priester einer Weltuntergangssekte. Trug ein breites Band um den Hals, auf dem in großen Lettern „Enzo“ stand. Als Enzo mir sein Buch“Liebesbriefe an Frauen“ präsentierte, wusste ich sofort, dass es die paar Mark wert sein wird.

Jetzt habe ich Enzos Blog entdeckt, auf dem es gesammelte Werke und Fernsehauftritte von Reinhold Enzelberger zu sehen gibt. Folgendes Video ist ein Zusammenschnitt seiner Fernsehauftritte in grottiger VHS-Qualität und wohl nur für echte Fans zu ertragen (besonders sehenswert: Enzos Auftritt in einem Berliner Fernsehstudio ab Minute 9):

Letzter Hype….ein Nachruf

Wenn man der Meinung ist, dass ein Nachruf dem Letzten Hype gerecht werden kann, dann ist folgender der beste, den man über den Hype schreiben kann.

SPON: „Selbsternannte Anarchisten“

Die Journaille ist reich an Sprache, aber arm an Geist. Und bedruckte oder digitale Seiten müssen ja auch gefüllt werden. Mit Füllwörtern beispielsweise.
„Mitunter“ ist so ein schönes Wörtchen, dessen Bedeutung, von der Süddeutschen Zeitung bis zum hinterletzten Blog (dem Letzten Hype zum Beispiel), sich niemand mehr entsinnen kann. Klingt aber nach guter Sprache, so ähnlich wie „sich gerieren“.
Bei SPON heißt es heute zu einer aufgebrachten Schar von griechischen Demonstranten, die ein Krankenhaus gestürmt hat, um einen verletzten Demonstranten zu besuchen:

„Eine Gruppe von 150 selbsternannten Anarchisten stürmte am Mittwoch ein Krankenhaus in Athen.“

Was fällt diesen „Anarchisten“ ein, sich selbst zu ernennen! Da könnte ja jeder kommen!
In Deutschland nennt man sich nicht einfach, man wird ernannt. Vom König, dem Staate oder der Handelskammer. Deshalb gibt es Parteibücher, Vereinsposten und gelernte Fachkräfte für Süßwarentechnik.

Meine Frage an SPON: Was soll das sein, ein nicht selbsternannter Anarchist? Und wer darf ihn denn ernennen? Bakunin, Kropotkin oder doch der Bundespräsident?

„Wir Franken gegen Atomstrom“

Patriotismus, das ist immer der Versuch, seiner eigenen Bedeutungslosigkeit zu entkommen, sich Selbst als souveränes Ganzes zu imaginieren. Nichts bringt die Vorstellung des phantastischen Ganzen besser zur Sprache als der Du-bist-Deutschland-Slogan. Und jede Fußballweltmeisterschaft beweist, wie sehr die Deutschen diesem Gebot Folge leisten wollen.
Durch die neue Verbindung von Atomausstieg und Staatsräson war eigentlich längst abzusehen: Fanmeilendeutschland kann nun auch Antiatombewegung.

Und so kann man nun im Onlineshop von gesundepferdewelt.de/Werneck tolle Fahnen bestellen: Beispielsweise einen Frankenrechen, auf dem „Wir Franken mobil gegen Atomstrom“ steht oder, Dasselbe in Grün, mit der deutschen Flagge. Das Ganze kann man natürlich auch als Autofahne („keep the Fanmeilenfeeling alive!“) bestellen. Auch die Tiere werden zu deutschen Atomkraftgegnern gemacht: Neben der Verkaufsempfehlung der deutschen Antiatomfahne erfahren wir nämlich, dass in „Unserem schönen Land […] 5 Mio Hunde, 7 Mio Katzen, 1 Mio Pferde, 12 Mio Rinder, 26 Mio Schweine, 2 Mio Schafe, 42 Mio Legehennen – und Millionen von Vögeln, Kleintieren, Wildtieren und Insekten“ leben.
Den Patrotismus in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf.

Wir sehen uns dann beim Autokorso in der Sanderstraße, wenn der nächste Meiler abgeschaltet wird.

Heidi’s Schnitzeleck

Heidi’s Schnitzeleck (selbstverständlich geschrieben mit „Deppenapostroph“). Ich liebe Lokalitäten, die nach Vornamen benannt sind.
Die besten Beispiele dafür sind „Gitti’s Pilsstube“ in der Sanderau, „Zum Udo“ oder „Onkel“.

Kelly’s Microwaves

Das bürgerliche Glücksversprechen bleibt definitiv uneingelöst, solange es Produkte wie Kelly’s Microwaves gibt. Wütend hat mich der Konsum des Produkts gemacht, noch wütender aber die Tatsache, dass nicht alle Menschen, die das Zeug probiert haben, den Kapitalismus zu hassen begannen.

Aber first things first. Ein Freund, der weiß, dass ich etwas übrig habe für die kleinen Absurditäten der Warenwelt, schenkte mir vor kurzem eine Packung Kartoffelchips für die Mikrowelle:

Diese werden als eine Beilage zu Fleisch und Gemüse vermarktet, die in 50 Sekunden „fertig“ ist. „Weltneuheit“ steht auf der Packung. Die Idee, Chips als Beilage zu vertilgen, ist alleine schon eine Beleidigung aller Beilagen dieser Welt, sogar des Rosenkohls.
Ich halte mich also brav an die Anleitung, reiße die Tüte auf und erwärme die Kartoffelchips 50 Sekunden in der Mikrowelle. Danach habe ich warme Kartoffelchips. Wow. Schmeckt trotzdem nach eingeschlafenen Füßen.

Waves

Noch darüber nachdenkend, was denn das eigentlich Neue an Kelly’s Microwaves sein soll, und was das Produkt von Aldichips unterscheidet, die man ein paar Minuten auf die Heizung legt, entdecke ich im Internet eine nicht kleine Fangemeinde, die sogar den Kelly’s Microwave Rap performt:

In Österreich ist das wohl ein großes Ding. Wissen Sie, was in Österreich noch ein großes Ding ist? Sehen Sie.