Archiv der Kategorie 'Briefe an die Leser'

Verschöööönerungsverein!

Hey, ihr Heimatschützer vom Würzburger Verschönerungsverein,

seid ihr nicht sonst damit beschäftigt, die Blumen an Denkmälern, an die sich zurecht niemand mehr erinnern kann, zu gießen? Seid ihr nicht sonst immer dafür, historische Bauten zu erhalten, damit Würzburg in euren Heizdeckenhirnen immer das gute alte Postkartenmotiv bleibt?

Wenn das immer noch zutrifft, weshalb protestiert ihr nicht dagegen, dass Würzburgs schönste Ruine den kulturlosen, zeitgeistaffinen Architekten zum Opfer fällt und jetzt ein Hotelturm wird? Habt ihr nicht schon all die Jahre versagt, da ihr zugelassen habt, dass vor mittlerweile sechs Jahren die historische Inschrift aus der Frühgotik von dieser Ruine entfernt wurde?

Was wird uns noch zugemutet? Eine Autobahn durch den Ringpark? Ein Weltraumhafen auf der Marienfestung?
Wehret den Anfängen!

Euer Hunter (entsetzt)

Zirkusaffen!

Zirkusaffen!

Da kampiert der Circus Henry, bei dem ihr Euch Eure Bananen verdient, über den Winter in der Marktgemeinde Zellingen, und Ihr seid einfach mal ausgebüxt, um Euch die Gegend anzusehen.

Nach wenigen Tagen in Freiheit bei „Wald Wasser Wein“ (Zellinger Selbstbeschreibung) wart ihr der drei W aber so überdrüssig, dass ihr aus purer Langeweile einfach wieder zum Käfig zurückgekehrt seid.
Um herauszufinden, wie öde die Gegend ist, habt ihr nur ein paar Tage gebraucht. Diese Erkenntnis gewinnen manche Unterfranken ihr ganzes Leben nicht.

Eine Banane auf Euch, ihr weisen Äffchen!
Euer Hunter

Lieber Antitierbenutzungshof Kollnburg,

in freudiger Erwartung öffnete ich vor kurzer Zeit das Paket eines bekannten veganen Onlineversands und entdeckte darin nicht nur Sojabeefjerky, vegane Seitanknackwürste und kiloweise texturiertes Granulat, sondern auch Eure Werbebroschüre, die zur Unterstützung des Antitierbenutzungshofes aufrief.

Auf dem Antitierbenutzungshof leben derzeit insgesamt 41 nichtmenschliche Tiere…“ war darin zu lesen, und zwar deshalb, da Ihr „gegen jede Form des (Be)nutzens von Tieren“ seid.

Hiermit möchte ich mich gerne als Mitbewohner auf dem Antitierbenutzungshof bewerben.
Motivation: Als menschliches Tier werde auch ich täglich benutzt. Mein Chef beutet täglich meine menschlich-tierische Arbeitskraft aus, um einen Mehrwert abzuschöpfen. Meine Freunde nutzen mich aus und leihen sich ständig Kohle von mir, die sie nie wieder zurück zahlen. Sie stellen sogar Deckel in unserer Stammkneipe auf meinen Namen aus! Meine Verwandschaft benutzt meine übertragbare Monatskarte, um kostenfrei mit der Bahn zu fahren. Die ARGE hat mir vor einigen Jahren gesagt, ich solle mich für die Gesellschaft nützlich machen, das gleiche sagten meine Eltern. Beide drängten mich dazu, einen Job anzunehmen, den sie- nicht ich!! – für nützlich hielten.
Kurz gesagt: Ich fühle mich voll und ganz benutzt von der gesellschaftlichen Gesamtsscheiße. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das mein ganzes kurzes menschliches Tierleben so weitergehen soll.
Zu meiner Person: Ich bin zutraulich, habe einen Hängebauch, die Menschen nennen mich Hunter und meine Katze nennt mich „Brrrr- Miau“. Ich bin gerne in der freien Natur und faulenze gerne. Dennoch bin ich kein fauler Hund faules Menschentier, sondern hätte kein Problem damit, auch mal einen Stall auszumisten.

Ich bitte Euch mir mitzuteilen, wann Euer nächstes WG-Casting stattfindet und hoffe auf gute Chancen und ein Ende meines Benutztwerdens.

Euer
Hunter (Tierfreund)

Lieber Joachim Hermann,

lieber Inlandsgeheimdienst bayerischer Provenienz,
liebe Landeszentrale für politische Bildungsarbeit,

ihr habt es endlich geschafft. Mit Eurer neuen Seite namens „Bayern gegen Linksextremismus“ habt Ihr mich endlich in die Arme des Staates getrieben.
Auch ich unterstütze Eure Initiative gegen schlechte Rapgruppen wie „Kurzer Prozess“ aus vollem Herzen, auch wenn es mir recht egal ist, welche Texte die jungen Burschen denn sprechsingen. Ich unterstütze Eure HipHop-Qualitätsoffensive eher aus ästhetischen Gründen: „Kurzer Prozess“ hat einfach keinen Flow und die Beats sind sowas von unter aller Kanone, das kann sich kein Mensch anhören. Ich wundere mich, weshalb die erwähnten Aspekte bisher keine Erwähnung auf Eurer Homepage fanden.
Da mir der Kampf gegen hässliche Musik ebenso wie Euch am Herzen liegt, stehe ich in Zukunft, sozusagen als Inoffizieller Mitarbeiter, gerne zur Verfügung, um gegen grottigen Rap wie etwa „Holger Burner“ oder „Schlagzeiln“ vorzugehen.
Um zu beweisen, dass meine Kenntnis der Materie sich nicht nur auf Rapmusik beschränkt, gebe ich Euch noch einige andere wichtige Hinweise, die zur Stärkung der Demokratie beitragen werden:
1. Ihr merkt auf Eurer Heimseite an, dass das Café Marat in München benannt ist „in Anlehnung an Jean Paul Marat, einen radikalen Unterstützer der französischen Revolution und Befürworter politischer Gewalt“, was für Euch ein treffendes Argument ist, um den Münchner Kulturtreff zu diffamieren.
Eurer Argumentation folgend, habe ich noch einige andere Treffpunkt von Extremisten in Bayern entdeckt: Das Richard-Wagner-Gymnasium in Bayreuth beispielsweise ist benannt nach einem bekannten Antisemiten und Hassmusiker. Die Fangemeinde des besagten Hassmusikers veranstaltet jeden Jahr sogar eigene Festspiele, auf denen die antidemokratische „Message“ der extremistischen Musik verbreitet werden soll. In Würzburg benannte man in der Vergangenheit eine ganze Sporthalle nach dem Nationalsozialisten Carl Diem. Als die Presse diesen problematischen Namen thematisierte, benannte man das Areal kurzerhand- aus Tarnungsgründen- in S-Oliver-Arena um.
2. Die Gruppe „Anarchistische Umtriebe Augsburg“ findet auf Eurer innovativen Homepage u.a. deshalb Erwähnung, weil sie die Bundeswehr als „Nachfolgeorganisation der Wehrmacht diffamiert“. In diese „Diffamierung“, die selbtverständlich jeglicher Realität entbehrt, reiht sich auch die militante Gruppe „Gebirgsjägerbrigade 23“ ein, die das südliche Bayern mit Wehrsportübungen terrorisiert. Die erwähnten Gebirgsjäger treffen sich jedes Jahr in Mittenwald, um der gefallenen „Kameraden“, der- aufgepasst!- Wehrmacht, zu „gedenken“ und tragen damit zur besagten Diffamierung bei. Ich bin im Besitz zahlreicher weiterer Informationen über Menschen, die den völlig aus der Luft gegriffenen Zusammenhang zwischen Wehrmacht und Bundeswehr ohne jedes Schamgefühl propagieren.
Daher würde ich mich freuen, wenn ich mich in Zukunft als Inoffizieller Mitarbeiter für die bayerische Demokratie einsetzen dürfte.

Ihr antiextremistischer Liebesmusikant
Hunter S. Heumann

Giselas unheilvolle Welt

Liebe Gisela,

seit Jahren beglückst du die Mainpostleser in deiner Kolumne „Giselas heile Welt“ mit kuschelweichflauschigen Geschichten über süße Hundis, das kleine Glück und das wunderbar wollige, wogenlose Würzburggefühl.
Aber jetzt bin ich verwirrt. Vor wenigen Tagen las ich deinen neuesten Beitrag, den du „Sozialistische Taxifahrt“ nanntest. Nachdem du nicht den vollen Fahrpreis im Taxi zahlen musstest, weil zwei andere Menschen auf der gleichen Strecke mit im Taxi saßen, konntest du dich „des Gedankens nicht erwehren, dass im Sozialismus nicht alles schlecht war“.

Obwohl ich deinen Mut bewundere, deine Sympathien für die sozialistische Weltgesellschaft zu offenbaren, hätte ich da noch einige Fragen:
Hast du in den letzten Tagen vielleicht ein verdächtiges klicken in deiner Telefonleitung vernommen?
Hat sich die Criminalia Wirceburgia, Würzburgs fleißige und hin und wieder burschenschaftliche Kripo, schon bei deinem Arbeitgeber gemeldet?
Wieviele Leser haben eigentlich seitdem das Abo gekündigt, weil sie kein rotes „Bläddle“ im Briefkasten haben wollen?

Lass dich nicht unterkriegen, Genossin Gisela! Ihre Repression, unsere Solidarität! Und im Falle eines Falles hilft bestimmt die Rote Hilfe

Dein Subcomandante Heumann

Liebes „Max & Julius“….

Liebes „Unabhängiges Würzburger Hochschulmagazin Max & Julius“,

es ist Euch ja hoch anzurechnen, dass ihr herausgefunden habt, weshalb jemand „Solidarität mit Liebig 14″ an Eure Uniwände sprüht. Ich hätte mir durchaus vorstellen können, dass ihr in die ACAB-Falle tappt und Liebig für einen türkischen Männervornamen haltet.
Aber halt mal, liebes „Unabhängiges Würzburger Hochschulmagazin Max & Julius“. Ihr fragt Euch am Schluss, „was jedoch die […] Slogans knapp 400 km entfernt vom Ort des Geschehens bringen sollen“?
Wenn Euch das schon zu weit ist, so hoffe ich doch, dass die AtomkraftgegnerInnen in Eurer Redaktion noch nicht gemerkt haben, dass Fukushima gut 9000 Kilometer weg ist.
Ein Tipp: Einfach mal einen längeren Spaziergang machen. Dann reicht der geistige Horizont vielleicht auch mal weiter als die 400 Schritte vom Studentenwohnheim zur Mensa.