Archiv für August 2012

Von Anarchostalinisten und der Hipsterantifa

Wer wie wir viel im Internet herumstreunt, um sich zu versichern, dass anderen Menschen genauso langweilig ist wie einem selbst, hat die folgenden Seiten bestimmt bereits besucht. Dem Rest wünschen wir viel Freude bei der Zeitverschwendung:

:: Anarchostalinisten ::

Diese Seite der hiesigen Zelle der anarchostalinistischen Weltliga, die auf dem „Boden des kommunistischen, anarchistischen, leninistischen, bakuninistischen, freudschen, honeckerschen Erbes“ steht, möchte nicht nur „Antideutsche und Antispes“ ins Gulag stecken, sondern auch die „Fans der Vereine Hamburger SV und VfB Stuttgart“. Überleitend zum nächsten Link wundert es, dass die Hipster verschont bleiben.

:: Hipster Antifa Neukölln ::

Ernst gemeint ist hingegen das Anliegen der Hipster Antifa Neukölln, die sich gegen die Diskriminierung von Hipstern und Touris in Berlin wendet. Die Erfolgsgeschichte des moderne Antisuevismus wird anscheinend ununterbrochen fortgeschrieben. Welche Bevölkerungsgruppe nimmt für das Würzburger Schoppenbürgertum eigentlich die Rolle der Schwaben ein? Mit ähnlichen Ressentiments behaftet ist hier der Münchner, wobei man dann vom modernen Antimonac(um)ismus sprechen müsste. Das können wir uns aber nicht eingestehen, weil wir in der Vergangenheit nicht nur einmal die Parole Love music, hate Munich! propagierten.

:: was Altes ::

Wer etwas Älteres im Internetskurrilitätenkabinett lesen möchte, die/der kann sich gerne über diesen Versuch amüsieren, alle antideutschen Gruppen aufzuzählen und den Niedergang der Antideutschen empirisch zu beweisen. Besonders interessant ist dabei, dass Gruppen wie TOP B3erlin aufgezählt werden. Warum wurde damals der Letzte Hype nicht mitgezählt?
Fast ein wenig enttäuscht sind wir, dass die Homepage des Freundeskreis der Juche-Ideologie in der Kommunistischen Partei Deutschlands mittlerweile vom Netz gegangen ist.
Und immer noch warten wir auf eine Solidaritätsgruppe für Transnistrien, dem letzten verbliebenen realsozialistischen Staat auf europäischem Boden. Haha.

Was für eine Zeitverschwendung, diesen Blogeintrag zu lesen.

Liebe Nürnberger Jungantifaschisten,

vor ein paar Wochen beobachtete man ein paar von Euch bei einer Art Sightseeingtour zum Iranischen Streikzelt nach Würzburg. Schnell ein Foto schießen mit Eurem neuesten Hochglanztranspi vor dem Flüchtlingscamp, dann wieder abdüsen, das ist gelebte Solidarität. Ich will Euch das nicht krumm nehmen: Wer rastet, der rostet, das gilt auch für den jungen Revolutionär. Wie sagte schon Napoleon? Vier Sekunden rastet der Revolutionär, fünf der Bürger und mehr als sechs nur ein Idiot. und bestimmt musstet Ihr am selben Tag noch einige weitere Fotos schießen, von Occupycamps zum Beispiel, um echte Solidarität zu leben, auf Flickr und Facebook.

Mit dem Fotolächeln war es aber schnell zuende, als Ihr auf einem Zigarettenautomaten einen Sticker entdecktet, auf dem Fight Hamas- support Israel! stand. Reflexartig und äußerst erbost überklebte ein Jungantifaschist den Aufkleber sofort mit einem Sticker, auf dem Hier wurde Naziprogaganda überklebt! stand.

Ich bin nicht davon überrascht, dass es in der Nürnberger Linken Personen gibt, die Israel für einen faschistischen Staat und die Hamas für eine emanzipatorische Bewegung halten. Dies weiß ich schon seit zehn Jahren. Überrascht hat mich jedoch, dass die Szene zehn Jahre später noch immer Jungantifaschisten ausbrütet, denen die Zornesröte im Gesicht steht, wenn sie mit Israel konfrontiert werden.

Aber halt, liebe Nürnberger Antifaschisten, Ist das Würzburger Streikcamp nicht der falsche Ort, wenn Eure Achse des Widerstands Nürnberg-Gaza-Teheran heißt? Vielleicht habt Ihr bei Eurer kurzen Reise nach Würzburg gar nicht gemerkt, dass es sich bei den Iranern am Streikcamp nicht um Unterstützer des „Antiimperialisten“ Ahmadinedschad handelt, sondern um Regimegegner? Meine Empfehlung: Nächstes Mal einfach im Zug sitzenbleiben, nach Frankfurt weiterfahren und dort einen echten Teil der Achse des Widerstands besuchen. Das Iranische Generalkonsulat ist bestimmt ein paar Solifotos wert.

Hoch die internationale Schnapsproduktion! Und immer Akku raus.
Euer Hunter