Wahn und Wirklichkeit

Es fühlt sich so an, als sei die Erdrotation ins Stocken geraden. Als würde sich die Welt, wie wir sie kennen, immer langsamer drehen. Und niemand weiß, welche Macht sie wieder bewegen soll.
Die Erde dreht sich. Noch. Doch die erfahrbare Welt, wie wir sie kennen, scheint müde. Scheint nicht mehr imstande, ist weder gewillt noch fähig, sich selbst zu erneuern. Was wir von Welt kennen, ist noch vorhanden, nur verliert es seine Bedeutung. Politik, Gesellschaft, Vernunft, Emanzipation, Bürgerlichkeit, Aufklärung, all diese Elemente sind noch da. Doch kommen zu ihrem Ende.
Bilde ich mir nur ein, dass die Gesellschaft auf ein Ende zusteuert, und sich der Halm, an den sich der Pöbel klammert, die Barbarei ist? Wann habe ich das letzte mal mein Zimmer verlassen? Zum Tabakkaufen. Halb fünf.
Ist es der selbe Grauschleier, der die Welt in die Depression reißt, der mir vor Augen schwebt? Wenn er das wäre, müsste er nicht anderen auch ins Gesicht geschrieben stehen? Wie will ich das herausfinden, wenn ich die Menschen nicht mehr anblicken kann, mich ihnen nicht mehr widmen kann, weil der dunkle Schleier eine Marmorwand errichtet hat zwischen ihnen und mir.
Ich kann nur hoffen, dass ich depressiv bin. Alles andere wäre eine Katastrophe.