Archiv für Dezember 2011

Frohe Weihnacht!

mit Ernst Busch:

Heike Pauline Grauf/ Presseschau

Man kann von Heike Pauline Graufs Aktionskunst denken was man möchte. Man kann sie grässlich finden, kreativ oder einfältig.
Dass die MainPost im schlechtesten journalistischen Jargon, das die Sauerstoffarmut in Redaktionsräumen von SPON bis Volksblatt beweist, Grauf mal wieder als „selbst ernannte Künstlerin“ bezeichnet, beweist auf ein neues, dass für das Gros der Unterfranken nur die gut eingehegte, biedermeierische Sonntagsmantelkultur als Kunstwerk anerkannt wird.
Ob die Journaille davon ablenken möchte, dass in Deutschland sich auch jeder Journalist einfach selbst ernennt, da es keine staatliche Ausbildung zum Journalisten gibt?
Wie gesagt: Man halte von Grauf was man wolle, aber verglichen mit dem, was die fränkische Bourgeoisie als Kunst betrachtet, müsste man bei Graufs Werken von Avantgarde sprechen. Je stärken die Menschen, die ihre bei Naturmotivmalkursen in Winzerdörfern entstandenen Bilder für kreative Zeugnisse menschlichen Schaffens halten, ein Werk ablehnen, desto näher kommt es wohl dem, was Kunst sei.

Zirkusaffen!

Zirkusaffen!

Da kampiert der Circus Henry, bei dem ihr Euch Eure Bananen verdient, über den Winter in der Marktgemeinde Zellingen, und Ihr seid einfach mal ausgebüxt, um Euch die Gegend anzusehen.

Nach wenigen Tagen in Freiheit bei „Wald Wasser Wein“ (Zellinger Selbstbeschreibung) wart ihr der drei W aber so überdrüssig, dass ihr aus purer Langeweile einfach wieder zum Käfig zurückgekehrt seid.
Um herauszufinden, wie öde die Gegend ist, habt ihr nur ein paar Tage gebraucht. Diese Erkenntnis gewinnen manche Unterfranken ihr ganzes Leben nicht.

Eine Banane auf Euch, ihr weisen Äffchen!
Euer Hunter

Letzter Hype Retromania

Bedienungsanleitung:

Dies hier zwei Stunden vor ihrem Bewerbungsgespräch unbedingt in voller Lautstärke in ihrem Player laufen lassen. Alles wird gut!

Würzburg und seine Denkmäler II

Wir nehmen hier einen Gesprächsfaden wieder auf, den wir, inspiriert von Berthold Kremmler, damals im Letzten Hype begonnen haben.

Berthold Kremmler hat sich zum zweiter mal auf dem Zunderblog mit der Problematik des Gedenkens am Volkstrauertag, unter besonderer Berücksichtigung von Fried Heulers Beitrag, beschäftigt.

Erneut lesenswert!

„Was ist aus HipHop nur geworden?“ Klasse, Rap und Geschlecht

Eines vorweg: Ich genoss keine Punkerjugend. Während kommende LehrerInnen und andere zukünftige Bullen gerne damit prahlten, dass ihre Punksozialisation sehr wichtig für sie sei, fühlte ich mich fast minderwertig, ohne viel Pathos erklären zu müssen, dass ich Ende der 90iger Jahre mit HipHop groß geworden bin. Hin und wieder trifft man sie noch, die Realkeeper von damals, die Freestyletypen mit Rucksack von früher, die meistens längst keinen HipHop mehr hören, geschweige denn machen. Viele von ihnen haben den DJ Koze gemacht und sind nun in elektronischen Gefilden zuhause, manche sind durch ihre Enttäuschung über den guten alten HipHop erst zum Punk geworden. Aber alle von früher sind sich einig: „Was ist aus HipHop nur geworden?“
Dabei klingen sie leider Gottes auch nicht anders als mein Opa, wenn er über die Jugend von heute schimpft. Eine Erzählung, die unter Althoppern sehr verbreitet ist, möchte ich durch folgenden Artikel unter die Lupe nehmen: Dass die sexistischen, frauenverachtenden Ghettorapper aus Berlin den guten, unschuldigen, fast schon spirituellen HipHop gestohlen haben und seitdem im Namen des Raps brandschatzend durch die Lande ziehen, um eine ganze Musikkultur in den Dreck zu ziehen. Damit verbunden ist die seit Anfang der 90iger Jahre verbreitete Begriffsdichotomie von Consciousrap und Gangsterrap: Consciousness, das ist Bewusstsein, Sozialkritik, die gute Seite, Gangsterrap, das steht in dieser Dichotomie für die Verrohung, für alles was schlecht ist am Status Quo.
Auch wenn ich selbst vor zehn Jahren noch meinte, es realkeepen zu müssen, und für mich Das NLP-Album von MOR beinahe der Untergang des Abendlandes war, muss ich heute sagen: Der Kampf zwischen „Rucksackrappern“ und „Ghettorap“ hatte in Deutschland nie etwas mit einem wirklichen Konflikt der Attitudes zutun: Hinter der unterschiedlichen Sprache, die sich im Sprechgesang niederschlug, steckte vielmehr ein Verständigungsproblem zwischen akademischer Mittelschicht und unterem Proletariat. Am Beispiel des Frauenbilds möchte ich zeigen, was ich damit meine.
Sprache ist nichts, das gesellschaftlich isoliert existiert, sondern stets der Ausdruck von Sozialisation und Klassenzugehörigkeit. Es ist kein Phänomen der Postmoderne, dass gesellschaftliche Gruppen sprach- und verständigungslos nebeneinander her existieren, ohne miteinander kommunizieren zu müssen und können. In einer BRD, die sich lange Zeit alle Mühe gegeben hat, Deutschsein durch die Blutszugehörigkeit zu definieren, spielt auch der Zusammenhang von Soziolekt und Ethnie eine große Rolle.
HipHop aus deutschen Landes blieb da nicht außen vor: Die Welle der zweiten HipHop-Generation, die sich spätestens mit Bambule 1998 auch vermarkten ließ, benutzte doch bei allem lässig Vulgarisierten die Sprache ihrer Erziehungsberechtigten: das Deutsch der Mittel- und Oberschicht.
Ein kurzer Einschub: Immer, wenn die mediale Öffentlichkeit sich moralisch über HipHop brüskiert, wird übersehen, dass z.B. ein Bushido nicht homophob rappt, weil er sich dies als Mittel der Provokation ausgesucht hat (wobei ich nicht behaupten möchte, dass es keine Kunstprodukte im HipHop gibt), sondern weil die Gegend, in der er groß geworden ist, homophobes Gedankengut hervorbringt. Dies heißt nicht, dass Homophobie im HipHop nicht kritisierbar wäre oder man Bushido nicht persönlich dafür anfucken dürfte, aber das Wichtigste wird bei solchen Moralisierungen stets vergessen: Aufgrund der Möglichkeit, einen Raptrack mit wenig produktionstechnischen und musikalischen Fähigkeiten aufnehmen zu können, ist Rap mehr als andere Musikrichtungen ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Tendenzen, auch der Tendenzen des Subproletariats.
Einschub zu Ende: Nicht rein zufällig fühlten sich die Rapper aus der Mittel- und Oberschicht beim so genannten Consciousrap und Spaßrap der späten Neunziger wohler als beim Ghettorap. Konnte sich durch dieses so genannte höhere, auch „intellektuelle“, Bewusstsein eine Sprache ausdrücken, die dem Milieu der Wohlstandsdeutschen entsprach. Als sich dann ab 2001 auch rauerer Rap aus Berlin verkaufte, der die Sprache der Plattensiedlungen und Planstädte sprach, war es klar, dass sich zwei Milieus von Rappern anfeinden mussten. Sie verstanden sich schlichtweg nicht. Und damit ist nicht der persönliche Beef gemeint, sondern sie sprachen und sprechen tatsächlich andere Sprachen. Die Kodes der zweiter HipHopgeneration waren für die subproletarischen Rapper aus Berlin als fremde Studentensprache erkenntlich, genauso wie die Rapper der Hamburger/Münchner/Stuttgarter Schule gleich erkannten, dass die Kodes der so genannten Ghettorapper die Sprache eines „Pöbels“ waren, mit dem ihre Klasse nie etwas zutun haben wollte.
In Wirklichkeit änderte sich mit dem deutschen Straßenrap kaum etwas an bestimmten Bildern, die sich in der Sprache des Rap seit nun drei Jahrzehnten reproduzieren. Es handelte sich hier um ein Sprachproblem, eine Missverständnis zwischen Klassenangehörigen. Dass sich problematische Bilder nicht verändert haben, ließe sich an vielen Begriffen veranschaulichen: Bilder von Männlichkeit, Homophobie und One-World-Antizionismus wären ebenfalls Beispiele, die sich sowohl bei so genanntem Gangsterrap als auch bei Consciousrap vorfinden lassen, nur eben jeweils in einem anderen Soziolekt.
Unser Beispiel soll hier jedoch das Frauenbild sein, das in den meisten Rapproduktionen, egal ob aus Amerika oder aus deutschen Landen, egal ob Conscious- oder Gangsterrap, vorherrschend ist: Frauen sind entweder Huren oder Königinnen, Heilige oder Prosituierte, Queens oder Bitches. Es gibt kein dazwischen. Die Heiligen sind wahlweise Mütter oder langjährige Freundinnen bzw. Frauen, denen meist weder eine sexuelle Selbstbestimmung, oft auch überhaupt keine Sexualität, zugestanden wird. Kurz: Heilige haben keinen Sex. Auf der anderen Seite stehen die Huren, die entweder die Männer nach Strich und Faden verarschen, obwohl sie doch in Wirklichkeit alle nur das Eine wollen: Frauen als betrügerische Objekte. Anhand von ein paar Rappern, die eher dem Movement Ende der 90ziger zugerechnet werden, will ich zeigen, wie wenig sich die Frauenbilder im Rap doch unterscheiden.
Es ist mir bis heute schleierhaft, wie Curse zu seinem Ruf als besonders weiser Rapper gekommen ist: Rappt er doch, als käme er gerade vom Stammtisch in Untereisenheim.

„Ich blindes Arschloch, Deine Spielchen fehlen mir gerad’ noch! Der Rat von Friends war von Beginn an: Laß das Mädel hängen! Gemeinsam ausgehen war Horror, denn nach einmal umdrehen, seh ich Dich rumstehen, mit Typen die Dir unters Hemd gehen. Mal eben fremd gehen war easy denn ich merks bestimmt nicht, triffst Dich in Bars mit Typen, küßt sie unverbindlich.“

Das ist der Track „Hassliebe“ von Curse. Das Selbstbild des armen unschuldigen Männleins, das von der Frauenwelt verarscht wird, das mit einer Frauenwelt konfrontiert ist, die stets schlechtes im Sinne hat, sich stets gegen den Mann als eigentliches Zentrum der Welt verschwört, zieht sich durch viele seiner Tracks.
Liebe Freunde des Münchner Sprechgesangs: Mit Blumentopf schaut es nicht anders aus. Da wird seit vielen Jahren in der Sprache der Studenten sowohl die nette Freundin angebetet als auch die Frau kritisiert, die nicht gleich mit Schu ins Bett steigen möchte, weil sie sich für etwas anderes hält als für sein Betthäschen:

(Flirtaholics, Album Eins A: ) „Hey süße Mädels, was iss‘n los ? Habt ihr‘n bisschen Bock auf die Spitzen-Flows ? Dann werft die Arme hoch und bewegt den Po, Ey Sugarbabies, wie geht’s euch so?“


Flirtaholics – MyVideo

(Das Eine, Album Großes Kino:) „Wenn ich nur das eine will, dann wär‘ es cool, ich fände eine,
die auch nur das Eine kann, doch vielleicht hast Du ja Charakter Persönlichkeit, nen IQ überm Durchschnitt, Tut mir auch Leid, dass mir das Wurst ist“

Ich weiß es wird euch schwer treffen liebe Hippie-Hopper von früher, aber nur weil jemand in einer anderen Sprache sagt, dass man das Eine will und die Meinung des weiblichen Gegenübers keine Rolle spielt, heißt das noch nicht, etwas anderes zu sagen als King Orgasmus One bei „Du nichts ich Mann“: Im Grunde genommen heißt es auch hier nur „fick mich und halt dein Maul“.
Die Liste ließe sich noch beliebig lange fortsetzen, ob „Die Eine“ von der Firma oder „Türlich Türlich“ von Das Bo: Frauen bleiben auch bei den Helden von damals, die von den Straßenrappern aus Berlin angefeindet wurden, meist Heilige oder Huren. Nur weil die Sprache der Straße vulgärer und roher ist, heißt das nicht, dass es hier um etwas grundsätzlich anderes geht.
HipHop bleibt was es immer war: ein Spiegelbild der Gesellschaft. Solange Sexismus in allen gesellschaftlichen Schichten real ist, wird er in den Texten des lyrischen Rucksackrappers und des Neukölln-Hustlers vorkommen. Dass sich die Medien erst seit ein paar Jahren moralisierend auf Rap stürzen, hat viel damit zutun, dass die Straße nicht die Sprache der Medien spricht, sondern ein raues Leben auch rau ausspricht. Ein Akademiker kann eben viel blumiger sagen, dass Frauen in Wahrheit Bitches seien. Blumentopf wird nie eine Talkrunde wegen Sexismus besuchen müssen. Sie sprechen die Sprache der Mehrheit, und sind keine Migranten, alles Punkte, die gegen eine Einladung zur nächsten Antisexismussendung bei Anne Will sprechen.
Den HipHop-Nostalgikern von früher sollte endlich klar sein: Studentenrapper und Straßenrapper haben in vielen Dingen nur aneinander vorbei geredet: Ihr Frauenbild ist das selbe.

Ich will nie wieder „Was ist aus HipHop nur geworden?“ hören, wirklich nicht. Sonst nehme ich ein Dissalbum gegen Euch auf.

Euer Simon Funk

P.S: Die Menschen, die nicht nach den Regeln des HipHop gespielt haben, waren in Deutschland sowieso nie vermarktbar oder von der Szene anerkannt. Weil die Szene eben scheiße ist.
Hört Sookee! Und, falls ihr dem Link noch nicht gefolgt seid, lest Texte von Günther Jakob!

P.P.S: Ich füge in meinem Text hier nicht nach jedem Rapper ein -Innen ein, weil das einfach verschleiern würde, dass es zum größten Teil männliche Rapper sind, die diese Frauenbilder zeichnen. Ich will weder leugnen, dass es schon vor Jahrzehnten Frauen im HipHop gab, noch dass es welche gar, die die Rollenbilder aufsprengen wollten. Letztendlich waren es aber vor allem Männer, die sexistische Frauenbilder im Rap gezeichnet haben.

Austritt der Adelphia Würzburg / Würzburger Verhältnisse

Als im letzten Sommer alle Welt erfahren durfte, was eigenlich jeder wissen konnte, dass es in manchen Burschenschaften Rassisten gibt und dass der äußerste rechte Rand der Burschenschaften in der Burschenschaftlichen Gemeinschaft sich organisiert, da scheint sich auch etwas im Bewusstsein mancher Adelphen verändert zu haben.
Und dies meine ich in doppelter Hinsicht: Zum einen trat die Adephia Würzburg im September aus der Deutschen Burschenschaft aus. Zum anderen scheint ein bestimmter Burschenschafter es auch für sinnvoll gehalten zu haben, interne Dokumente der Adelphen bei Indymedia zu veröffentlichen. Damit steht die Würzburger Burschenschaft nicht alleine da: Ein gespenstisches Datenleck innerhalb der DB führte dazu, dass einige riesige Anzahl interner Dokumente veröffentlicht wurde, und das Datenleck ist noch immer nicht geschlossen worden .

:: DB Verbandstagung ::

Die Wende der Adephen kam schnell: Nicht einmal ein halbes Jahr zuvor trug man die Verbandstagung der DB in Würzburg aus, und zwar zusammen mit der Burschenschaft Arminia-Rhenania zu München, der vorsitzenden Burschenschaft der DB im Geschäftsjahr 2011. Die Adelphen luden die Teilnehmer der Verbandstagung zum Begrüßungsabend und zum Frühschoppen auf ihr Haus, die eigentliche Tagung fand in der Residenz statt.Es ist typisch für die Würzburger Verhältnisse, dass die eigentliche Verbandstagung einer kritikwürdigen burschenschaftlichen Dachverbands in der Residenz stattfinden konnte, ohne dass sich eine Stimme im medialen Diskurs dagegen erhebt. In anderen Städten mit einer immerhin kritischeren liberalen Öffentlichkeit wurde die Verbandstagung der DB in ihrer Stadt wenigstens thematisiert, in Würzburg bleibt dies dem schattigen Halbdunkel der Blogs und linken Politikzirkel überlassen. Der Eisenacher Burschentag Mitte Juni und das bundesweite mediale Echo stellte für viele Burschenschafter, auch für die Adelphen, eine Zäsur dar: Seitdem wirkt die DB wie ein aufgeschreckter Haufen Hühner, manche Hacken aufeinander ein, manche verlassen den Stall. In der Main-Post war davon freilich nichts zu lesen: Hatte sich doch Manfred Schweidler nur wenige Tage vor dem Burschentag solche Mühe gegeben, Kritik an Burschenschaftern als Ressentiment der Vergangenheit abzutun.

:: Der Austritt ::

Bevor wir zum eigentlichen Dokument kommen stellt sich natürlich die Frage, was jemanden dazu treibt, interne Dokumente der Burschenschaft auf Indymedia zu veröffentlichen. So detailreich, wie die Daten sind, ist es sehr unwahrscheinlich, dass es sich um einen Datendiebstahl eines Externen handelt. Alle anderen Spekulationen über die genauen Gründe sollen hier nicht weiter verhandelt werden. Wir gehen im Folgenden davon aus, dass es beim Dokument um den echten Antrag handelt, der im September auf dem Bundeskonvent der Adelphen angenommen wurde.
Welch Gründe werden im Dokument aufgeführt? Wen die eigene adelphische Geschichtsphilosophie interessiert, weshalb man laut Aussage des Antragsstellers aufgrund von Vorgängen im 19. Jahrhundert nicht unbedingt in der DB sein muss, darf gerne selbst nachlesen. Unser Interesse gilt dem aktuellen Geschehen.
Zum einen ist ein wesentlicher Grund für den Austritt die Verbandspolitik der Burschenschaftlichen Gemeinschaft, deren Bestreben es offensichtlich sei, „den Dachverband der Deutschen Burschenschaft zu majorisieren oder gar zu sprengen“. Man unterstellt der BG „rassistische Motive“. Es ist tatsächlich erfreulich, dass ein Burschenschafter erkennt, dass es in der BG Rassismus gibt und dass man sich gegen diesen stellt.
Ein anderer Grund ist das mittlerweile vollkommen ramponierte Image der DB. „Die enorme Resonanz in der Presse hat gezeigt, wie schädlich diese Provokation für das Bild von Verbindungen im Allgemeinen und Burschenschaften im Besonderen in der Öffentlichkeit ist.“ Besonders interessant wird es, wenn sogar die Burschenschafter Angst haben, der staatlichen Repression gegen Rechtsextremismus ausgeliefert zu sein: „Im Hinblick auf mögliche zukünftige Repressalien der Mitglieder, die im Staatsdienst sind“ will man der DB nämlich austreten. In der Würzburger Welt ist ja zum Glück noch alles in Ordnung: da ist Heinz Henneberger von der Kriminalpolizei gerade Fux. Ich denke, die Aktivitas muss sich also keine Gedanken machen, auf welcher Seite zumindest in Würzburg ein bestimmter Teil der Staatsgewalt steht.
Der Antragssteller geht sogar soweit, auch nicht-deutschen Studenten einen Platz bei den Adelphen anzubieten: „Es ist dem Unterzeichner nicht erkenntlich, warum nicht, wenn auch in Ausnahmefällen, ein Nichtdeutscher, der eine entsprechende akademische Ausbildung und humanistisches Gedankengut, sowie eine Befürwortung des christlich abendländischen (wobei christlich für den Unterzeichner gänzlich unerheblich ist) Wertegedanken pflegt, nicht ein Freund im Sinne des „amico semper amicus“ und damit Bundesbruder in der Adelphia sein können soll.“

:: alles anders? ::

Ist nun alles anders bei den Adelphen? So erfreulich es ist, dass man, wenn auch spät, erkannt hat, welche Tendenzen innerhalb der DB sich da ihren Weg bahnen, ist der Antrag doch durchzogen vom typischen Jargon der Burschenschaften: Es geht gegen den Zeitgeist (Sicherlich ist es an jedem Akademiker […] sich gerade nicht dem Zeitgeist und der öffentlichen Meinung zu beugen..“), was auch immer das genau sein soll, und gegen die Gutmenschen, wer auch immer dies genau sein soll („Man ist der ständigen Kritik der von links intellektueller Gleichmacherei und Pseudo-Toleranz geprägten Gutmenschen ausgesetzt“). Kurz: Mit dem Austritt der DB verändert sich nichts an der burschenschaftlichen Weltdeutung, nichts an den soldatischen Tugenden, nichts an der korporierten Erziehungsgemeinschaft qua autoritärer Konditionierung. Kurz: die Adelphia bleibt ein Gralshüter der deutschen Nation. (Wer aus der Linken versucht, allen Burschenschaften Rassismus zu unterstellen, unterminiert die Kritik an den Korporationen. Das Niveau der linken Kritik bleibt leider meist unter jedem Niveau.)
Besonders zweifelhaft bleibt der Antrag, weil man sich schon in der Präambel gegen die „Überfremdung“ der Burschenschaft ausspricht: „Der Unterzeichner möchte weder der Überfremdung der Adelphia Tür und Tor öffnen noch hat er ähnliches vor.“ Überfremdung ist ein klarer Kode der extremen Rechten, dies sollte auch dem Verfasser des Antrags klar sein.

Kurz erwähnt werden muss an dieser Stelle noch, dass die Prager Burschenschaft Teutonia zu Würzburg, welche sich in der Korporationslandschaft Würzburgs gerade zu etablieren versucht, nicht in den Würzburger Waffenring aufgenommen wurde. Das heißt, die BG-Teutonen müssen weiter alleine Fechten und werden nicht in der ganzen Korporationslandschaft begeistert begrüßt. Immerhin ein Anfang. Laut Aussage der Dokumente war dies allerdings ein Anliegen der Corpsstudenten, nicht der Adelphen.

Das Fest des Huhns: eine Empfehlung des Hauses

Das wesentliche Anliegen meiner journalistisch-psychogeopraphisch-gonzowissenschaftlichen Arbeit war und ist, den unterfränkischen Raum und seine faszinierenden Artefakte als mystisch, sperrig, als nur mit ethnologischen Untersuchungsmethoden aufschlüsselbare vormoderne Stammesgesellschaft zu begreifen und untersuchen. Wer auf der Lohrer Karfreitagsprozession oder der Wiesentheider Kirb war, wird die Anzahl an fremden Zeichen und Zeichensystemen für kaum überblickbar halten.

Ganz nach dieser Methode wurden Oberösterreich und seine Rituale vor Jahren ethnologisch untersucht und im Film „Das Fest des Huhns“ dargestellt. In der Hoffnung, dass wir eines Tages auch das Unterfränkische in einer großangelegten Untersuchung erforschen können, empfehle ich Ihnen im Folgenden das besagte ethnologische Meisterwerk: