Running Man for real.

Es ist interessant, wie sich die dystopischen Bilder der Vergangenheit in den Medien der Gegenwart widerspiegeln.
Filme wie „Running Man“ oder die Romanvorlage „Menschenjagd“ zeichnen das Bild einer Zukunft, die das Spektakuläre in seiner trivialsten Form- als Fernsehunterhaltung- voll und ganz als Mittel der Zähmung perfektioniert hat und selbst den Überlebenskampf eines Menschen noch als glitzerndes Showspektakel vermarkten kann.

Im Jahre 2011 ist es nicht die abwegigste Idee, eine Show zu produzieren, in der einige MigrantInnen, die gerade aus Westeuropa in ihre Heimatländer abgeschoben werden sollen, noch einen Koffer Geld gewinnen können, bevor man sie aus dem Land wirft. Das spektakuläre Bild einer Spielshow, und das in ihr zwangläufig enthaltene Gute-Laune-Feeling einer Unterhaltungssendung, verbrennt spielerisch leicht das Bewusstsein für den materiellen und lebensbedrohlichen Ernst der Lage, in dem sich die MigrantInnen befinden.
Jetzt kommt in Holland die Show „Weg van Nederland“ ins Fernsehen: Hier kämpfen sie tatsächlich um Geld, die abschiebebedrohten MigrantInnen, zumindest behauptet dies der Sender. Dadurch, dass nicht nur die KandidatInnen, sondern auch die ZuschauerInnen etwas gewinnen können (nämlich eine Reise in die Karibik), wird die Show letztendlichend zur Farce.

Klar ist, dass es sich bei „Weg van Nederland“ wahrscheinlich um eine nicht ganz ernst gemeinte Provokation des Senders handelt.
Die Frage aber, zu wieviel in der Vergangenheit ausgedachter Dystopie die reale Gegenwart fähig ist, wird das Fernsehen nicht zum letzten Mal aufwerfen.