„Und, ist Würzburg immer noch Scheiße?“: Eine Episode mit Fortsetzungspotential…

Hat mensch in Würzburg so lange verbracht, dass mensch von der erdrückenden Atmosphäre erfasst wird, scheint es, dass die Stadt von der Außenwelt abgeschnitten ist. Die große Welt weiß schon, dass es irgendwo Würzburg gibt, hält es aber für eine kleinere Großstadt unter vielen und verschwendet ansonsten scheinbar nicht viele Gedanken darüber. Es gibt in der Tat keinen rationalen Grund, das Geschehen in Würzburg von außen zu verfolgen. Aber angesichts der regelrechten Migrationsströme, die in die Stadt und aus ihr heraus führen, ist die Republik voll mit Menschen, die sich schaudernd an ihren Aufenthalt in der Vagina-Stadt erinnern. Diese Geschichten wollen wir dokumentieren, denn „da draußen“ leben noch Augenzeugen unserer Not.

Einmal verschlug es mich im Frühling 2009 nach Berlin. So was passiert eher selten, aber auf dem Programm stand der historische Tiefpunkt des bundesdeutschen Anarchismus und da musste mensch einfach dabei sein. An einem Abend kehrte ich, von meinen Begleitern verlassen und von Menschenmengen angeekelt, zu meinem Pennplatz – zur Regenbogenfabrik, einem kollektiv verwalteten Betrieb wohlgemerkt. Fest entschlossen, mich an dem Abend noch zuzuknallen, um die Schande des „anarchistischen Kongresses“ und meine eigene Fremdscham zu verdrängen, deckte ich mich im nächsten Späti (so eine Institution, die in Würzburg schon bitter Not tut) mit Bier ein und lies mich zum Nachgrübeln im Hof der Regenbogenfabrik nieder.

Die Frau, die an der Rezeption Spätschicht hatte, kam raus, um eine zu rauchen, und setzte sich zu mir. Der standardmäßige Austausch von nicht weniger standardmäßigen Repliken wurde jedoch bald interessanter: es handelte sich nämlich um eine Person, die noch in 70er Jahren (oder in den 80er? An eine lebhafte Punker-Community in Grombühl konnte sie sich jedenfalls noch erinnern.) ohne jede Reue aus Würzburg geflüchtet ist. Viel von unserem Gespräch will ich nicht berichten und ich könnte das eigentlich auch nicht mehr: es ist schon eine Weile her und beim Trinken war ich sehr fleißig. Aber merkwürdigerweise lassen sich Gespräche mit solchen flüchtigen Personen in einer einzigen Frage zusammenfassen – „Und, ist Würzburg immer noch Scheiße?“.

Danach noch ein Gang zum Späti, eine Nacht duchschlafen, eine lustige Putz-Aktion vorm Bethanien, noch 2-3 Stunden Zeit in einer sinnlosen Reflexionsgruppe totschlagen und los geht’s – nach Würzburg zurück.