Was macht eigentlich…. die Heimatfront?

Erinnern Sie sich noch an den Aufmarsch an der Würzburger Heimatfront im letzten Frühling?
Nein?
Dann geht’s ihnen wie den 125.000 anderen Würzburgern, denen die Demo der Buntkappenträger völlig wurscht war.
Zur Gedächtnisauffrischung: Torsten Heinrich, M.A., schnappte sich eine Deutschlandfahne, lud ein paar Freunde mit und ohne Couleur ein und marschierte dann ein paar Samstage durch die Würzburger Innenstadt, um der gefallenen Soldaten in Afghanistan zu gedenken.
Da ab dem Spätsommer die Seite soldatengedenken.de down war, hoffte ich schon, dass der gescheiterte Versuch, das ganze in Berlin mit mehr Teilnehmern aufzuziehen, den Power-Bundi endgültig desillusioniert hatte.

Mitnichten!
Wir müssen ja alle gucken, wo wir bleiben. Und gerade die Magister unter den Akademikern haben es bald schwer im Beruf. Schon jetzt weiß ja an sich niemand mehr, was die Abkürzung M.A. bedeutet. Und auch mit Kriegskitsch lassen sich vielleicht ein paar Unzen verdienen. Zumindest hoffe ich das für Torsten Heinrich.
Denn bei soldatengedenken.de beginnt erst die Heimatfront. Der Frontverlauf führt uns über soldatenfreund.de zu salonstratege.de.

Bei soldatenfreund.de („Die Seite für Soldaten“) können sich alle Krautkrieger darüber erkundigen, welche Vergünstigungen sie bei Vorlage eines Soldatenausweises in Geschäften erhalten können. Bisher gibt es leider noch nicht viel zu bestaunen, außer ein paar Angebote bei Massage- und Sonnenstudios. Dabei wäre das Angebot doch noch erweiterbar:
- bei der dritten Schussverletzung zahlt die Krankenkasse ein Einzelzimmer
- jeder Soldat auf längerem Auslandsaufenthalt erhält für die Bespitzelung seiner Ehefrau zehn Prozent Rabatt bei einem Privatdetektiv
- beim Kauf von drei Büchern bekommen Soldaten „Im Westen nichts Neues“ gratis dazu
- Portofreie Versendung der Zeitschrift „Pralle Möpse“ zu den Soldaten im Ausland etc.. pp.

Salonstratege.de („Das moderne Militärmagazin“) dagegen ist eine Art „Men’s Health“ für Männer mit Gewalt- und Stiefelfetisch. Hier werden Kriegsmaschinerie vorgestellt und Kriegsspiele getestet.
Der Name lässt mich schmunzeln: Wie sieht er aus, der Salonstratege? Sitzt er zuhause in seinem Sessel, hat seine Holzbeine hochgelegt, raucht Pfeife und erzählt wie Opa vom Krieg? Ist er froh mal etwas anderes tun zu können als dauernd mit seinen Kindern „Schiffe Versenken“ zu spielen? Ist der Durchschnittssalonstratege eher ein Counterstrikespieler, der gerade einen Amoklauf plant oder ein Spielenarr, dem RISIKO einfach irgendwann nicht mehr genug war? Fragen über Fragen.
Ich bleibe lieber Salonmarxist.

Stell dir vor es gibt die Heimatfront, und keiner geht hin.